Archiv für den Monat Juli 2014

Tage wie Kaugummi

S`ìst wieder so ein Tag, elendig lang, der sich zieht wie Kaugummi – 

Pflichten zu erfüllen wie jeden Tag,

alles irgendwie grau trotz blauem Himmel – 

Alltagstrott, der dich einlullt und müde macht,

obwohl du dich nicht anstrengen musst…

so ein Tretmühlengefühl, das zermürbt.

Dabei steckt sie doch in dir, diese Lust auf Leben!

Sie zuckt immer mal und muckt auf in dir,

aber kein Raum, ihr Platz zur Entfaltung zu geben…

Komm, reiss dich zusammen, suche das Lächeln in dir!

Kram es doch hervor, gib dir Mühe!

Geh doch nicht durch den Tag mit der Last der ganzen Welt auf den Schultern!

Rücken gerade, Kopf stolz in die Höhe!

Augenkontakt mit dem Menschen, der dir entgegenkommt!

Lächeln, einfach lächeln und es kommt zu dir zurück!

Und plötzlich wird das grau heller….durchscheinender…

Schon dies flüchtige Lächeln kann Wunder bewirken…

Na los doch, krame es hervor zwischen all deinem Seelenmüll-

Zeig es der Welt und die Welt lächelt zurück!

 © Petra Jähnke 2011

Komm, begleite mich doch einfach auf einem Spaziergang durch meine Welt. Nimm dir die paar Minuten für einen Platz in der Seelenschaukel:-)

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Ich werde antworten!

 

 

Alles ist Veränderung – Alles fließt

So wenig das Jahr tagtäglich dasselbe Gesicht zeigt, so wenig sind wir eine unveränderliche Konstante. Wir ändern uns selbst, unsere Lebensumstände, unsere Überzeugungen (wenn wir flexibel und lernfähig genug sind!).

Du selbst veränderst dich in deinem Erscheinungsbild: in der Optik, in deinem Körperbau. Es setzen sich im Laufe der Jahre Pfunde oder aber du verlierst sie, beides manchmal ohne es zu wollen. Gesichtszüge prägen sich aus, Falten graben sich ein, die Mimik und die Gestik entwickeln sich parallel zu deinem Inneren. Die Haare werden grauer, dünner, der Haarschnitt tut das Übrige dazu. Alles in allem: Veränderung!

Die Menschen, die dir etwas bedeuten, begleiten deinen Lebensweg immer nur ein Teilstück lang. Deine Eltern und Verwandte werden irgendwann deinen Weg verlassen haben, ein Abschied nach dem anderen wird auf dich warten in deinen Lebensjahren.

Freunde gehen neben dir, manchmal sehr lange, manchmal nur eine kurze, aber intensive Zeit. Freunde aus Kindertagen, Freunde aus verschiedenen Lebensphasen, sie alle sind in dein Leben getreten, um es auch wieder zu verlassen. Vielleicht wirst auch du für jemanden derjenige sein, der „verlässt“.

Möglicherweise wird es dein Lebenspartner sein, evtl. war er es schon…? Und du stellst fest, dass alles im Wandel ist, nichts je von verlässlicher Beständigkeit war und sein wird.
Dein Beruf, auch er ist nichts Unumstößliches mehr in der heutigen Zeit, ebenso wenig wie dein Wohnort. Lange schon ist es Geschichte, dass Familienverbände mit mehreren Generationen vereint auf einem Hof oder Grundstück lebten. Dass die Alten versorgt waren, die Kinder stets einen Erwachsenen um sich hatten, der ihnen vertraut und in Liebe verbunden war.

Deine Sehnsüchte und Wünsche relativieren sich, weil sich deine Lebenserfahrungen als Realitäten vor sie stellen, wie um dir zu zeigen: Nicht alles kann und wird in diesem Leben erfüllbar sein.
„Loslassen“ ist die schwerste Lektion, aber auch die unvermeidlichste. Loslassen zu können heißt, einen Schritt zurück treten zu können. Sich zurück zu nehmen, die eigenen Ansprüche herunter zu schrauben, und zu lernen:

Nichts bleibt so, wie es war.
Deine Gesundheit ist ein flüchtiges Gut.
Nicht alle Träume vom Lebensglück sind für die Wirklichkeit bestimmt.
Nicht alles, was dein Herz sich wünscht, ist machbar ohne einen anderen zu verletzen.

Alles fließt, mein Freund. Nichts ist noch morgen so, wie heute war, meine Freundin.
Lass uns zusammensitzen und diese Minute genießen, diese Stunden festhalten im Inneren. Lass uns reden von allem, was war und was ist. Lass uns träumen von dem, was kommen mag.
Und lass uns leben – jede Sekunde, die wir hier sind – so wie wir sind, jetzt – heute.

 

Denn du weißt doch:
Alles schwingt!

Petra

 

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Wind im Haar

Einer dieser ersten Sonntage eines Monats, es ist Fischmarkt am Hafen.

Menschenmengen schieben sich durch die bunten Gassen, gebildet aus allerlei Buden mit viel Unnötigem, manch Schönem, diversen Leckereien und den am Kai fest getäuten Kuttern, die frischen Fisch direkt von Deck verkaufen und dem Ganzen den Namen gegeben haben.

Die Sonne strahlt nach einigen Unwettertagen wieder vom Himmel, als hätte sie es schon immer getan. Wolkenberge ziehen schnell über das Blau, getrieben von einer steifen Brise, die selbst in den Budengassen Mützen anhebt und luftige Kleider flattern lässt.

Düfte lösen einander ab, eben noch roch es nach gebratenem Fisch, nun schon nach Grillwürsten und Bierschwaden.  Laut und alles übertönend preist Bananen-Joe seine prall gefüllten Korbtaschen voller Obst an: „Alles für 10€, Leute! Mir geht´s um eure Gesundheit, Vitamine-Vitamine!!!“.

Ein Stück weiter steht sein Konkurrent und stopft allerlei Markensüßigkeiten in durchsichtige Plastiktüten. Da es ihm nicht um die Gesundheit der Vorüberschlendernden gehen kann, ruft er nur monoton: „Alles für 10 – alles für 10!“

Honig in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen steht neben Blumen aus Holland, Billigware aus Fernost wird vom Wind fast von den Bügeln geweht. Fahnen, Socken, Parfum, dann wieder ein Stand mit Käse, gleich daneben Waffeln und Ledergürtel.

Die angrenzenden Lokale haben ihre Tische im Freien voll besetzt, kleine Restaurantschiffe locken mit Fisch in allen Variationen.

Kaum zwei Schritte möglich in gleicher Länge oder gleichem Tempo, Stimmengewirr, Lachen, Rufe.

 Dann ist sie erreicht, die Hafenspitze, ein paar Meter nur und die Geräuschkulisse hinter dir versinkt im stark auflandigen Wind, der dir um die Ohren bläst.

Nur noch Weite in einem mittleren weichen Blau, in der Ferne getupft von dem leuchtenden Weiß vieler Segelboote. Dieser typische Geruch nach Meer, die fliegenden Haare, die Sonne auf der Haut… Da stehst du vor ihm, diesem endlosen Horizont – atmest ihn ein, lehnst dich ein wenig gegen den Wind, bist für kurze Zeit eins mit dir und der Welt.

Du drehst  dich um, siehst dieses bunte Geschiebe und gehst darauf zu, um wieder einzutauchen in eine begrenzte Welt aus Gerüchen, Geräuschen, unerwünschten Körperkontakten und hilflosem Fuß vor Fuß setzen.

Und wenn du sie erneut durchquert hast, stellst du fest, dass es reicht für dieses Jahr.

Denn die Weite, den Horizont, die Sonne und den Wind hast du täglich ohne dieses Beiwerk.

Und eigentlich brauchst du nur dies, denn es ist deine Heimat.

© Petra Jähnke 2012, veröffentlicht im kostenlosen E-Book „Emotionsmühle 2013“ im Lyrika Verlag

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Des Nachts

Des Nachts, wenn alles dunkel ist

und du mit dir alleine bist,

so ganz auf dich nur reduziert,

ist´s dir da auch schon mal passiert?

Ein Karussell beginnt zu drehen

in deinem Kopf, es bleibt nicht stehen –

Gedankensplitter brausen schnell

an dir vorbei, es wird ganz hell

als gäb`s die dunkle Nacht gar nicht –

Auf jedem Bild Scheinwerferlicht!

Und dann die grausame Erkenntnis:

Dein selbst geschaffenes Gefängnis

aus Kummer, Sorgen, Angst und Pein

sucht dich schon wieder einmal heim!

Erinnerungen, Gegenwart-

Nichts bleibt dir dann bei Nacht erspart.

 

Dies: hätte-wäre-müsste-sollte –

das dann an dir vorüberrollte,

wie viele Nächte schon seit langem

hält dich erneut so sehr gefangen,

das ganz und gar unmöglich ist,

dass du es irgendwie vergisst!

Dieses Gedankenkarussell

dreht unermüdlich und sehr schnell.

                              Dann wanderst du durch´s dunkle Haus,                                  

                                    probierst diverse Dinge aus,                                          

ganz einfach um dich abzulenken –

kannst noch so sehr dein Hirn verrenken:

erst, wenn du völlig bist erschöpft,

ist´s als wenn Müdigkeit dich köpft

und du gefällt, grad wie ein Baum

fällst in den Schlaf, der ohne Traum.

 

Am andren Morgen schaut dich dann

ein Fremder aus dem Spiegel an

und stöhnend ob der kurzen Nacht

der Fremde dir auch Kaffee macht…

Jetzt lächelst du verstehend- milde?

Na fein, dann bist du ja im Bilde!

© Petra Jähnke 2011, veröffentlicht in „Der Koi (an) der Kü(s)ste“ 2012 im Lyrika Verlag

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Straßen-Café

Sonne und Wolken wechseln sich ab. Eine leichte Brise weht herüber vom Meer. Das Straßencafé ist gut besucht, an den Tischen unter den Markisen wechselnde Besetzungen, vorüberflanierende Menschen.

Du sitzt wie im ersten Rang des Stückes „Pulsierendes Leben“.
Der Kaffee ist stark und das Stück Torte kühl und schmackhaft. Der Nebentisch wird frei und nur Sekunden später erobert von zwei Blondinen, eine mit Pferdeschwanz, eine Kurzhaarschnitt. Sie setzen sich, der Pferdeschwanz zerrt aus seiner Tasche eine Jacke „Huch, ist das ein kühler Wind“, dann hektisches Aufspringen „Lass uns reingehen, oben im ersten Stock hat man einen tollen Blick über den Marktplatz!“ Kurzhaar lacht und braust hinterher. 

Wohin-soll-das-Klavier kommt vorübergeschoben: Muscleshirt, braune Haut, stilbrechende bunte Flatterhosen dazu. Neben ihm eine kleine schwebende Elfe von Frau, die dienstbeflissen zu ihm aufstrahlt und an den schweren Tragetaschen schleppt, während er seinen Body der Welt präsentiert und vor lauter Kraft nicht weiß, wohin mit ihr.

Pferdeschwanz kommt wieder raus gestürmt, Kurzhaar hinterher, „Hach das ist mir zu voll da drinnen“, Stühle schieben, Jacke wieder an, den wackelnden Tisch hin und her drehend.
Ein großer, korrekt gekleideter alter Herr steht derweil zwischen den Tischen vor der Eingangstür zum Café und federt, ohne von der Stelle zu kommen, vor und zurück – unsichere Augen, eine deutliche Körpersprache sprechend, `will ich da rein? Will ich nicht? Kann ich mir das erlauben? Nein`, um dann zackig auf der Hacke kehrt zu machen und mit geraden Kreuz gemessenen Schrittes davon zu gehen.

Die beiden Blondinen brausen erneut vorbei, diesmal rein an den Kuchentresen, um zu bestellen.
Da schiebt ein Bauch vorbei, breitbeinig und sich selbst zu viel. Bedeckt von einem trotz Übergröße zu kleinen Hemd und schwer an sich tragend.
Blondi Pferdeschwanz und Kurzhaar stürmen an ihren Tisch zurück, juchzend und kichernd.
Ein Rumpeln ist zu hören, Kopf nach rechts, aha! Jeans, Karohemd, weißes langes Haar unter Cowboyhut zieht eine Sackkarre hinter sich her. Darauf eine hölzerne hochkant gestellte Kiste und oben drauf ein Gitarrenkasten. Den langen ebenfalls weißen Wallebart streichelnd schaut Cowboyhut sich suchend um nach einem passenden Eckchen für sich und sein Gefährt, prüft in alle Richtungen, lässt launige Sprüche ab an die Vorübergehenden und zieht dann weiter.

Wie viele Arten des Gehens es gibt! Entspanntes Schlendern, zielgerichtete Raum greifende Schritte,
unsicheres Tasten…
da nimmt Mr. Stylish Platz am Nebentisch! Hochmoderner Anzug, manikürte Finger, gegeltes dunkles Haar, das Handy wichtig in der Hand. Drahtige Dauerspannung vermittelnd und vor Dynamik fast platzend.

Zwischen all den bunt gekleideten Menschen ein kleines Männlein, ganz in schwarz mit ebensolchem Schlapphut, auf dem Rücken seine gesamte Habe mit sich tragend. Unrasiert, das Wasser gemieden seit Ewigkeiten, den Blick vor sich auf den Boden gerichtet. Einsamkeit vermittelnd…
Es wird Zeit, zu gehen. Du stehst auf und reihst dich ein in dieses lebendige, flüchtige Spiel eines Tages.

©Petra Jähnke, 2012, veröffentlicht im kostenlosen E-Book „Emotionsmühle“, unserer Visitenkarte vom Lyrika Verlag für das Jahr 2013

 

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Gedanken zur Ehrlichkeit und deren Grenzen

Hast du ein Bild von deinem Gegenüber, geprägt von Erfahrungen und dem, was du in ihn/sie hinein interpretierst?

Wir Menschen sind von Natur aus so angelegt, schnelle Zuordnungen durchzuführen – z.B. er/sie passt in das Schema ´unerschütterlich´- und dann auch imaginäre Stempel aufzudrücken. Solange unser Gegenüber diesem Bild, das wir von ihm haben, entspricht, ist die Welt in Ordnung.
Sie gerät ins Wanken, wenn wir in irgendeiner Situation merken, dass dieses Bild, das wir uns ´gemacht´ haben, nicht mit der Realität überein stimmt.Dass da Brüche sind, die wir nicht vereinbaren können mit dem in uns existierenden, vermeintlichen Wissen, das ´unsere´ Wahrheit ist.

Unsere Wahrheit ist subjektiv, sie basiert auf unseren Wünschen, unseren Idealen, unseren Hoffnungen. Wir sehen, empfinden und ordnen ein aus unserer persönlichen Sicht. Wenn dann ein Verhalten, eine Bemerkung, eine ehrliche Schilderung des anderen so* nicht in dieses Bild passt, ist er da, der Bruch.
Dieser Bruch entsteht jedoch nur in uns, da alles in uns beginnt. In uns beginnt die Zuneigung, die Freundschaft, das Vertrauen, ebenso wie die Erwartungen und die Trugschlüsse. die wir daraus ziehen.

Ist demnach Ehrlichkeit vorsichtig zu dosieren?
Es kommt auf die Situation an, denke ich. Bei den Frage- und Antwortspielen im Alltag bleibt es deiner Menschenkenntnis und deinem Wahrheitsbedürfnis, das du dem anderen entgegen bringst, überlassen. Nicht jeder will wirklich hören, WIE es dir geht, wenn er dich fragt. Nicht jedem wirst du berichten mögen, wie groß dein Stress heute auf der Arbeit war.

Der Einsatz von Ehrlichkeit setzt vieles voraus:
wirkliches Verstehen, echte Zuneigung, einen Kontakt auf Augenhöhe und daraus resultierend dann die wohl dosierte Portion Ehrlichkeit. Ebenso wenig wie du in jedem Fall 100% Ehrlichkeit von deinem Ehe/Lebens/Geschäfts/Gesprächs-Partner ertragen könntest, verhält es sich wahrscheinlich auch aus Sicht desjenigen dir gegenüber.

Alles ist relativ.
Deshalb höre doch einfach in dich hinein, wie viel Ehrlichkeit du deinem Gegenüber anvertrauen oder zumuten möchtest.
Nicht jeder, von dem du es dachtest, verträgt 100 Prozent.
Nicht bei jedem, von dem du meintest, er würde mit der Wahrheit aus deinem Munde nicht umgehen können, erweist sich diese Einschätzung als richtig..
Der sprichwörtliche ´Elefant im Porzellanladen´ ist im Allgemeinen keine sehr angenehme Rolle. Es sei denn, du möchtest mit einem Schuss vor den Bug klare Fronten schaffen.

Zum Glück gibt es auch die Fälle, in denen klare Fronten einer Beziehung ganz neue Impulse geben.
Denn unsere Hoffnungen, Erwartungen und Wirklichkeiten sind in uns miteinander fast untrennbar verwoben und sprechen immer ein Wort mit. Ein paar Gedanken dazu findest du auf meiner Autoren-HP unter folgendem Link:

http://www.petra-jaehnke.de/Gedankensplitter-I-_-Hoffnungen%2C-Erwartungen-und-Wirklichkeiten.htm

Alles schwingt!

Petra

 

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Hätte, Wäre und Könnte

Hätte, ein stets unglücklich drein blickendes, hageres Wesen, meist wehleidig klagend und gramgebeugt, schlurfte durch die dunklen Straßen. Es hielt Monologe über die versäumten Chancen, die fehlende Entschlusskraft und war bemüht sie mit kraftlosen, fahrigen Gesten zu betonen.

Ihm entgegen kam Wäre, hochaufgerichtet und drahtig wie immer, voller Trotz und Rechthaberei. Auch Wäre führte Selbstgespräche, angefüllt mit Anschuldigungen an Gott und die Welt. Alle paar Schritte blieb es stehen und stampfte zur Unterstreichung seiner fortwährenden Klagen mit dem Fuß auf, gerade so wie es ein bockiges Kind tut, das seinen Willen nicht bekommt.

Sie trafen aufeinander, wie schon so oft, begrüßten sich mürrisch und versuchten zum wiederholten Male heraus zu bekommen, wer von ihnen beiden es schlechter getroffen haben könnte.

Könnte! Das war ihr Stichwort. Die beiden schauten sich um in dieser rabenschwarzen Nacht und hofften darauf, dass sich das dritte Wesen im Bunde zu ihnen gesellen würde. Sie hielten inne mit ihrem Lamentieren und lauschten angestrengt, ob die federleichten Geräusche von Könnte zu hören waren.

Ein kleines, auf und ab hüpfendes Licht näherte sich ihnen und dann klangen sie auch an ihre Ohren: die beschwingten, raumgreifenden Schritte von Könnte. Groß gebaut tauchte sein Umriss aus der Dunkelheit auf und von nahem war dieses kleine Licht in seiner Hand gar nicht so schwach, wie es von weitem den Anschein hatte.

Kaum sah das Wesen die beiden anderen, berichtete es mit Begeisterung von all den Möglichkeiten, die sich böten, von den Wünschen, die es zu realisieren gelte und den wattewolken-gleichen Träumen. Es sprach von Alternativen, die es zu sehen und zu ergreifen galt und bunten Bildern der Vorstellungskraft.

So standen sie beisammen, diese drei, die ohne einander nicht konnten, aber miteinander nichts zustande brachten. „Wäre ich doch mutiger gewesen, wäre es doch nicht immer so schwierig“ wechselte sich ab mit: „Hätte ich doch nur einmal das Glück all der anderen, hätte ich doch auf den Rat gehört“. Und dieses Jammertal übertönend: „Könnte ich alles erreichen! Könnte ich, wenn ihr nur schweigen würdet! Könnte ich, wenn-wenn-wenn!“

So verging die Dunkelheit der Nacht und mit dem ersten frühen Morgengrauen trennten sich die Wesen wieder. Hätte schlurfte davon, leise murmelnd war etwas zu verstehen wie: „Hätte ich nur zugegriffen, als sich die Chance bot…“ Wäre stampfte seiner Wege mit dem trotzigen Stolz eines stets in die zweite Reihe gedrängten. Könnte sah ihnen nach, wie sie verblassend im zarten Morgenrot verschwanden und federleicht tänzelnd zählte es mit den Fingern seiner Hand auf, was es könnte, wenn-wenn-wenn-wenn…

Sie würden sich erneut treffen, in der nächsten dunklen, mondlosen Nacht und einander davon erzählen, was WÄRE, was HÄTTE und was KÖNNTE.

© Petra Jähnke

Beitrag für „EMOTIONAL BLUE“, erste Ausgabe MAI 2014

Die EMOTIONAL BLUE ist ein Magazin für alle Themen, die emotional berühren. Es wird veröffentlicht vom Lyrika Verlag und ist bisher zweimal erschienen. in der ersten Ausgabe war der obige Text mein Beitrag, neben 10 weiteren von anderen Gast-Autoren/innen. In der aktuellen Ausgabe Juli 2014 sind nun schon 12 Gast-Autoren/Innen beteiligt. Die BLUE ist kostenlos für Leser und Autoren. Wenn du magst, schau doch einfach mal in die Nr. 2 hienein:

http://www.emotionalblue.de

 

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Sprechende Hände

Vorurteile finden nur Raum in der Gesellschaft, wenn wir, jede/r einzelne von uns, ihnen Nahrung und Platz zum Wachsen gibt in uns selbst.

Ausgrenzungen können nur geschehen, wenn wir es sind, die die nötigen Barrikaden in und um uns errichten.

Bist du gesund – bist du krank? Weder das eine noch das andere ändert etwas an dem, was dich als Mensch ausmacht.

Bist du dünn – bist du dick?
Es sind nicht die zu wenigen oder die zu viel vorhandenen Pfunde, die deiner Persönlichkeit Gewicht geben.

Bist du jung? Bist du alt?
Es sind nicht die gelebten Jahre, die dich alt oder jung erscheinen lassen, sondern deine innere Einstellung zum Leben.

Bist du schwarz? Bist du weiß?
Egal, wie deine Hautfarbe sein mag, unter jeder wie auch immer gefärbten fließt der gleiche rote Lebenssaft.

Diese Wortspiele könntest du selbst unendlich fortsetzen, denn wir alle, Homo sapiens genannt, bestehen aus denselben ´Lebensbausteinen´. Unsere Körper sind voller Weisheit konzipiert, wir haben die besten Werkzeuge mitbekommen, um im Leben zu bestehen:

Wir haben ein Hirn, um zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen.
Wir haben ein Herz, um den Puls des Lebens spüren und Liebe empfinden zu können.
Wir haben Beine, die uns tragen und deren Gangart ein Teil unseres individuellen Ausdrucks ist.
Wir haben fünf Sinne, die unsere Verbindung zur Umwelt sind.
Wir haben Hände, mit denen wir Gutes und Schlechtes zu Werke bringen können – es liegt allein bei uns.

Alles schwingt!

Petra

Sprechende HÄNDE

Schlank und gepflegt, oder groß und voll Schwielen-
Hände in jeder Form können spielen.
Miteinander, mit Dingen, gedankenverloren
mit dem eigenen Haar, zupfend an deinen Ohren.
Hände, sie packen, wenn es sein muss zu,
greifen und heben und fügen hinzu.

Sie bilden auch manches Mal eine Faust,
mit der du voll Wut gegen Wände haust.
Die flache Hand kann Ohrfeigen geben,
doch genauso kann sie nach Sanftheit streben,
kann streicheln und kosen und zeigen,
was du fühlst, wenn die Lippen mal schweigen.

Voll Zartheit berühren die Spitzen der Finger
filigrane und zerbrechliche Dinger,
zeichnen in verträumten Momenten
Konturen nach und damit senden
sie Signale aus von großer Kraft-
Eine sachte Berührung, die Nähe schafft.

Gesten, die unsere Hände vollführen,
können an tiefsten Punkten uns rühren.
Sie betonen und unterstreichen,
wenn unsre Worte zum Erklären nicht reichen.
Wenn zum Beten faltest du deine Hände,
so spricht diese Geste alleine schon Bände.

Ausdrucksmittel und Werkzeug zugleich,
gebend und nehmend, mal hart und mal weich.
Drohend erhoben, zur Abwehr gestreckt,
oder schützend über den Leib gedeckt…
Und nicht nur zum Gruß dient ein Handschlag-
Er besiegelt auch heute noch jeden Vertrag.

Frieden bedeutet, die Hand sich zu reichen-
Jemand zu sein unter seinesgleichen.
Doch Hand in Hand durch das Leben zu gehen,
dass zeigt: sich lieben, vertrauen, verstehen.
Eine eigene Sprache spricht unsre Hand –
Von jedem verstanden, von allen erkannt.

© Petra Jähnke 2012, veröffentlicht in „Jetzt erst recht“. 2012 erscheinen im Lyrika Verlag

Dieses Bild von Jürgen Beßmann begleitet auch im Buch diesen Text und ich sage hier nochmals von Herzen Dankeschön dafür, dass ich es meinem Text zur Seite stellen darf.

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Gefühls-Farben Teil 3

Manche Gefühlsfarben schillern in einem Rausch von Schattierungen und machen uns fast blind. Blind vor Tränen – Tränen der Freude oder Tränen des Kummers.

Kein Leben ist nur in ruhigen Gewässern verlaufen. Kein Mensch blieb verschont von den schweren Tälern, die es zu durchqueren galt. Wir alle tragen an unserem Lebensgepäck und nein, wir tragen nicht stets geduldig und entrückt ergeben an all dem!

Wir hadern mit unserem Schicksal, wir ziehen uns zurück wie ein waidwundes Tier, wir überspielen all unsere Verwundungen mit lauter und oberflächlicher Fröhlichkeit.

Jeder hat seine ganz eigene Art, mit dem umzugehen, was uns wirklich nachhaltig formt. Die Freude, das Glück, die Sternstunden im Leben sind die Sahnehäubchen, die Leckerlis für die Seele.

Formen aber tun uns die Schwierigkeiten, die Probleme und besonders die Krankheiten und Abschiede, die es zu nehmen galt und gilt.

Jeder muss sich ihnen stellen, irgendwann. Wie es dann verarbeitet wird, ob überhaupt und wann es je möglich ist, das alles macht uns zu einem Unikat.

Denn kein anderer hat dieselben Erfahrungen zur selben Lebens-Zeit gemacht wie du. Niemand hat dieselben familiären und sozialen Umstände, die gleichen charakterlich bedingten Herangehensweisen wie du.

Nur du findest in dir die Antworten auf all deine Fragen.

Vieles, was ich sagen möchte, lässt sich für mich am besten in der komprimierten Form des Gedichts formulieren. Besonders, wenn es um eine Gefühlsnuance geht, der ich durch Worte Ausdruck verleihen möchte oder aber um ein Gefühlsfarben-Feuerwerk der ambivalentesten Nuancen.

Es gilt, sich immer wieder erneut dem eigenen, veränderten Leben zu stellen und für sich selbst eine Form zu finden, sich mit dem was ist auf den weiteren Weg zu machen, um dem entgegen zu gehen, was sein wird.

 

Alles schwingt!

Petra

 

Im Herzen ein Riss

In meinen Herzen ein breiter Riss,
tiefe Narben kreuz und quer in der Seele.
Gleich einem sichtbaren roten Schmiss,
mit dessen Heilung ich mich lange schon quäle.

Als kaum hörbaren Ton in mir drin
dieses Schwingen in sattem Moll.
Und die Fragen: was macht es für Sinn,
und was all dieser Schmerz in mir soll…

Vertrauen geschenkt, doch missbraucht.
Geliebt, doch nie recht erwidert.
Vom Mahlwerk des Lebens geschlaucht.
Falsche Freundschaft, die sich angebiedert.

Leg des Nachts eine Hand auf mein Herz,
und die andere aufs Sonnengeflecht.
Atme an gegen den inneren Schmerz,
und die Wärme wiegt alles zurecht.

Der Riss durch das Herz gibt nun Ruh,
und die Narben der Seele verstummen.
Schließt der Schlaf meine Augen mir zu,
schwingt in mir ein vertrauendes Summen.

13.10.12

© Petra Jähnke, veröffentlicht in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“
10/2013 erschienen im Lyrika Verlag

 

 

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Begegnung im Vorübergehen

Vor kurzem traf ich sie. Ich kenne sie seit Jahren vom Sehen, wir haben die üblichen Floskeln gewechselt und über unsere Hunde geredet, mit denen wir Gassi gingen. Als diese in den ewigen Jagdgründen waren, haben wir uns beim Einkaufen getroffen, uns zugewinkt und in letzter Zeit fiel mir auf, dass sie immer stiller wurde, ein wenig fahrig wirkte und ihre Augen verrieten, wie unglücklich sie ist.

Letzte Woche stand sie vor mir an der Kasse, eine Kundin war zwischen uns. Sie sah mich und ein freudiges Lächeln huschte über ihr Gesicht, während sie weiter ihren Einkauf einpackte. Sie ließ sich Zeit, das fiel mir auf. Und sie schaute immer wieder zu mir mit diesen sprechenden Augen, die diesmal sagten: Sprich mich an, bitte…

ich zahlte und ging den einen kleinen Schritt auf sie zu mit der Frage: „Wie geht es Ihnen, Sie sehen erschöpft aus…“

Und sie erzählte mir, wie es ihr ging. Ihr Mann sei sterbenskrank, er säße nur noch im Sessel und er würde von Tag zu Tag immer bösartiger werden. Da sei doch auch noch ihre schwerbehinderte Tochter und sie wisse nicht mehr, wie sie all dem gerecht werden könne, während sie aufs Übelste beschimpft würde. Sie habe schon versucht, dem ein Ende zu bereiten, aber ´ich habe doch nur die schwachen Tabletten im Haus, mir war nur fürchterlich übel, es sollte nicht sein´. Ihre Hände zitterten unübersehbar und Tränen traten in ihre Augen. Sie redete schnell, wie um möglichst alles zu berichten, denn ich könnte ja jederzeit gehen wollen…

Ich habe nicht viel dazu gesagt, außer dass ich verstehe, in welcher Situation sie ist. Meine Hand hielt ihre, die sich am Griff des Einkaufswagens festhielt, als sei der ihr einziger Halt. Ich hörte zu und ich hatte Zeit – obwohl eigentlich noch dieses und jenes zu tun war. Aber das alles war nicht wichtig.

Sie und ich, wir bildeten einen kleinen, unangreifbaren Schutzraum abseits des Alltagsgeschehens. Zwei Menschen, die gerade das wichtigste eines Lebens miteinander teilten.

Wir verabschiedeten uns erst, als wir draußen vor unseren Autos standen. Sie bedankte sich immer wieder, lächelte zutiefst erschöpft, so dass ich sie in den Arm nahm und kurze Zeit hielt. Dann stiegen wir ein und fuhren zurück, jede in ihre Welt, in ihren Kosmos, der uns Schicksal und Heim zugleich ist. Diese Begegnung wirkte noch lange nach in mir.

Keinem steht auf die Stirn geschrieben, welche Höhen oder Tiefen er schon überwunden hat und welche er genau jetzt, in diesem Moment, durchlebt. Du gehst durch die Straßen, die Läden, die Parks und du weißt nur eines mit Sicherheit: jeder um dich herum trägt sein ganz persönliches Schicksal mit sich herum, das ihn zu dem gemacht hat, der er ist.

Alles schwingt!

Petra

 

Urteile nie

Du wirst sie nie kennen, die Tiefen meiner Seele-
und selbst wenn ich dir von ihnen erzähle,
wirst du nur erahnen, was mich so bewegt-
wirst Schemen nur sehen von dem, was mich quält—
Du meinst, du kannst dir ein Urteil erlauben?
Ich lasse dich nur allzu gern in dem Glauben!
Zu mühsam erscheint´s mir, dir nahe zu bringen,
welch Teufel und Engel in mir mit sich ringen!
Du wirst nie die wirkliche Tiefe versteh´n-
dazu müsstest du in meinen Schuhen geh´n.

© Petra Jähnke 2011, veröffentlicht in „Der Koi (an) der Kü(s)ste“ 2012 erschienen im Lyrika Verlag

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