Archiv für den Monat August 2014

DEN MUND ZU VOLL GENOMMEN

Den Mund zu voll genommen,

mal wieder zu nichts gekommen.

Nur ein erneuter Selbstbetrug,

die Sache war doch nicht wichtig genug.

 

Versprechungen in höchsten Tönen

mit Worten, so wunderbar schönen.

Verlass dich auf mich, vertraue mir?

Bist nur ein im Käfig gefangenes Tier…

 

Unzählige Dinge begonnen zu tun,

Kilometer gegangen in fremden Schuh ‘n.

Vieles gewollt, das meiste blieb liegen.

Ein stetes die eigene Seele verbiegen…

 

In bester Absicht gewollt, nicht getan –

Wieder nicht möglich,

was man eigentlich kann.

Den Konsequenzen entkommen –

Nur den Mund zu voll genommen.

 

© Petra Jähnke, veröffentlicht in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“, 2013 erschienen im Lyrika Verlag

 

Alles schwingt!

Petra

 

 

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Im Mantel deiner Zeit

Greif in die Taschen des Mantels deiner Lebenszeit, sie sind gefüllt mit alldem, was Bestand hat im Leben.

Sie sind voller kleiner strahlender Diamanten, die in einem fast unwirklichen Lichtspiel erschimmern. Ihr Glitzern ist nur für dich da, ihr Strahlen findet nur in deinem Herzen einen Widerhall. Niemand außer dir ist fähig, sie zu sehen so wie du. Im Mantel deiner Zeit sind sie von nicht zu unterschätzendem Gewicht und sie bilden, kunstvoll aneinander gefügt, einen starken Halt, der dir durch dein Leben hilft. Immer neue kommen hinzu und reihen sich ein wie Puzzleteile, die endlich ihren Platz gefunden haben. Der Mantel deiner Lebenszeit ist bestückt mit genügend vielen Taschen für diese sich stetig einfindenden gewichtigen Starkmacher. Jeder einzelne davon schließt ein Bild in sich ein  – Bilder von Menschen, Bilder von Klängen, von Düften, von Orten. Von all diesen Bildern gehen Energien aus, die sich zusammenfließend zu deinem kraftvollen Lebensstrom vereinigen und untrennbar mit dir verwachsen sind.

Ihr Name ist ERINNERUNG.

In den Taschen deiner Lebenszeit finden sich auch Teilchen von undefinierbarem Äußeren. Sie sind ohne Form, ohne rechte Farbe, ohne Kontur und ohne Gewicht. Sie sind biegsam, mal kalt, mal warm, mal fassen sie sich an wie Samt, ein andermal kratzen sie wie Sandpapier. Herausziehen aus deiner Lebenszeit kannst du sie nicht. Sie zeigen sich immer dann, wenn du nicht an sie denkst, nicht mit ihnen rechnest. So veränderlich wie sie selbst ist dann auch ihre Auswirkung auf dein Leben.

Ihr Name ist VERÄNDERUNG.

Nur diese beiden Inhalte des Mantels deiner Lebenszeit sind von Bestand. Alles andere ist flüchtig wie der Wind, ist einer Melodie gleich, die du hörst und schon ist sie wieder verweht.

© Petra Jähnke, 2014

 Alles schwingt!

Petra

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Die Süße eines Tages

Später Nachmittag, anstehen im Supermarkt an der Kasse. Die Schlange ist mäßig lang, die Stimmung ebenso mäßig und der vorderste Kunde fingert ungeschickt in seinem Portemonnaie nach passendem Kleingeld.

Ich schaue mich ein wenig gelangweilt um und mein Blick bleibt bei den vorletzten Kunden in dieser Reihe. Sie fallen auf, oder besser ins Auge? Beide nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt. Beide von kleiner Statur – er, sehr schmal, mit einem seltsam unter dem T-Shirt hervorragenden Bauch. Sie – nicht schmal, vielmehr ausgemergelt, das Gesicht voller Falten und Furchen, eingebrannt vom Leben, unruhige Augen.

Beide halten ihren Einkauf –  Er hat einen Beutel Kartoffeln und ein Brot im Arm, sie Margarine, 2 Sorten verschweißten Aufschnitt und… eine Tüte Hamburger Speck, diese lecker-fluffige Nascherei. ich denke sofort an meinen Papa, der es liebte, sich abends auf der Couch mit Hamburger Speck für den Tag zu belohnen und muss lächeln.

Dieses Lächeln vergeht mir blitzschnell, als ich die beiden beobachte, wie sie ihren kleinen Einkauf beschauen, leise miteinander flüstern, wie er mit einem sachten Kopfnicken auf die prachtvolle Tüte Süßigkeit hinweist und sie als Reaktion darauf noch ein wenig ausgemergelter aussieht und mit hängenden Schultern den Speck scheinbar zurücklegen will. Eine heiße Welle in mir macht sich auf den Weg zu meinem Kopf und … doch ehe ich überhaupt mein Gefühl deuten kann, das so kraftvoll auf sich aufmerksam macht, tritt er zu den beiden:

großgewachsen, tadelloser grauer Anzug, neben sich einen voll beladenen Einkaufswagen für eine Familie mit Kindern bestückt, wie man unschwer erkennen kann. Er legt der Frau, um ihren Weg zu stoppen, die Hand auf den mageren Unterarm und sagt zu den beiden:

„Dieser Euro-Schein in meiner Hand ist heute übrig. Es macht mich nicht traurig oder glücklich, ihn zu haben. Meine Familie hat jeden Tag genug zum Leben, zum Spielen, zum Naschen. Ich gebe Ihnen beiden diesen Schein, damit er das tun kann, wozu ich ihn nicht brauche: er soll Ihnen ein wenig davon geben –  von der Süße des Tages.“

Er lächelt, als er den Geldschein in die Hand der Frau mit dem Gesicht voller Falten und Furchen legt und dreht sich ab, murmelt etwas von ´vergessen´ und schiebt seinen Einkaufswagen wieder zurück zwischen die vollbeladenen Regale.

Das Paar, das nicht mehr jung ist, aber auch irgendwie noch nicht richtig alt, schaut sich ungläubig an. Sie reden leise miteinander und dann drehen sie sich um, um ebenfalls noch einmal zu den Regalen voller Überfluss zu gehen – sie gehen langsam, schauen sich immer wieder um, schütteln die Köpfe und … lächeln zaghaft.

Als sie verschwunden sind, schaue ich in die Richtung, die der Mann im grauen Anzug eingeschlagen hatte und sehe ihn, wie er vorsichtig um die Ecke des Kaffeeregals Ausschau hält nach dem Paar.

Er bemerkt, dass ich ihn sehe und er zwinkert mir strahlend zu…

© Petra Jähnke

 

Alles schwingt!

Petra

 

 

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ABGEHOBEN

Bisher eigentlich völlig normal –

doch plötzlich ist´s eine Qual,

mit dem Menschen sich zu unterhalten:

Umringt von den falschen Gestalten,

den kritiklosen Claqueuren,

die jede Selbsteinschätzung zerstören,

ist er endgültig abgehoben –

sein Ego entsetzlich verschroben.

 

So ganz leicht von oben herab,

hält er seine Audienzen nun ab.

Sonnt sich im Scheinwerferlicht,

reflektieren geht dort leider nicht!

Hält sich für den Nabel der Welt,

die basiert auf Blendung und Geld.

Kreist um sich selbst voller Wonne,

ist seinen Jüngern die strahlende Sonne.

 

Herr, bewahre mich vor dieser Phase!

Lass mich nie gleich ´ner Seifenblase

am eigenen Ruhme zerplatzen!

Mach mich taub für dies innere Schwatzen!

Und geräte ich je in den Sog,

dass ich mich irgendwann selbst betrog –

lass mich nicht in dem Wahn überwintern:

Trete mir zeitig in den Schrumpelhintern!

 

© Petra Jähnke

Foto mfG von Bärbel Hoffmann

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Petra

 

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CLOWNSSEELE

Weinen und lachen gehören zusammen,

denn diese beiden Gefühle stammen

ab von derselben Quelle.

Sie sprudeln an gleicher Stelle

gespeist durch denselben Geysir…

und dein eigener ist auch in dir.

Gehe durchs Leben mit offenem Blick,

sieh hinter jedem Pech auch das Glück.

Jede Medaille hat ihre zwei Seiten

und erkennst du diese beizeiten,

so schau sie dir kritisch an – 

dreh sie quer und bemerke klug dann,

dass nichts bremst, was so schmal doch nur ist!

Lach das Schicksal an, Optimist!

Räum die Steine dir aus deinem Weg,

und bist du gefallen, dann leg

dich nicht widerspruchslos lange hin:

Situationskomik hat ihren Sinn!

Sei ein Clown, erkenne den Witz.

Und sind auch die Scherben noch spitz,

die tief drinnen solch Schmerzen dir machen:

erlaub dir, über dich selber zu lachen!

 

© Petra Jähnke, veröffentlicht in „Der Koi (an) der Kü(s)ste“, erschienen 2012 im Lyrika Verlag

ALLES SCHWINGT!

Petra 

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Gedanken zur Liebe

Wahrscheinlich ist die Liebe, die unerfüllbar bleibt, diejenige, die einen nie mehr loslässt, denkst du nicht auch? Man kann alle seine Träume und Wünsche in sie hineininterpretieren ohne je einen störenden Einfluss zu erleben. Man lebt in dieser Liebe so perfekt, wie es für einen selbst perfekt ist. Man hütet sie wie den größten Schatz, denn das ist sie ja auch… wertvoll ohne messbar zu sein, immens wichtig und wohltuend. Voller Harmonie, voller Glück, voller Verstehen, voller Begehren, voller Erfüllung.

Besonders gepflegt und bewahrt, wenn man in Lebensumständen feststeckt, aus denen man warum- auch-immer nicht raus kann oder will. Dann ist eine solche Liebe die Insel, auf die man sich flüchten kann. Jeder braucht eine solche Insel.

Holt man die Insel in die Realität, dann müssen beide mit denselben Vorzeichen an sie heran gehen, sonst zerstört sie sich selbst. Nur kurz ist sie, was sie in den Träumen war…einzigartig, allumfassend. Dann kommen die Ansprüche aus der realen Welt hinzu, die eigenen Forderungen nach Ausschließlichkeit, der Anspruch: mach mich glücklich – sei für mich da! Kommt dieser Anspruch, hat die Liebe schon verloren… Glück kommt nur aus einem selbst. Wenn man gibt, ohne nehmen zu wollen, dann kann es gelingen. Will man nehmen-nehmen-nehmen ist das Ende vorprogrammiert.

Wird die Insel real und beide wissen, dass sie sie nur für kurze Zeit betreten können, dann kann es  glücklich machen. Wenn beide Träume gleich sind, dann ja.

Haben die Träume aber einen verschiedenen Hintergrund, verschiedene Erwartungen, dann wird diese Insel dem nicht gewachsen sein. Einer von beiden wird es sein, der ungewollt den vernichtenden Vulkanausbruch verursacht. Haben die Träume verschiedene Beweggründe, wird es noch komplizierter. Die Liebe des einen beruht vielleicht auf der Faszination der Sanftheit, der rehäugigen Hilflosigkeit – die Liebe des anderen vielleicht auf der Suche nach einem Rettungsanker, nach dem Drang, die Leere in sich durch Fülle zu vernichten. Beides sind egoistische Gründe, berechtigt – aber nicht „kompatibel“. Irgendwann wird die Sehnsucht nach der Erfüllung der eigenen Bedürfnisse die Insel versenken. Weil weder der eine noch der andere nehmen kann, was nicht bereitwillig gegeben wird.

Passen beide Traumwelten zusammen, kann diese Insel ein neues Festland werden. Zwei ähnlich gelagerte Träume von der Liebe haben gemeinsam alle Mächte in sich vereint. Dann macht die kleine Trauminsel unter den Füssen stark, wenn man sie auch vorerst wieder verlassen muss. Dann manifestieren sich die Träume langsam aber stetig zu greifbaren Tatsachen und die Kraft, altvertrautes Festland zu verlassen, wächst.

Liebe, der Traum von ihr, ist in jedem verankert. Unerfüllte Liebe wird mit den Jahren immer perfekter, weil der Träumende kein Regulativ in der Realität hat. Je länger sie „unerfüllt“ bleibt, umso kleiner wird die Chance, sie je umsetzen zu können.

Liebe ist ein Traum an sich. Ein Traum vom Miteinander, ein Traum von Zusammenhalt, ein Traum vom ergänzenden Pendant.

Mancher sucht sie ein Leben lang, ohne sie je so vorzufinden, wie er sie in sich spürt.

Mancher kennt sie aus der Ferne, ohne sich je zu trauen, einen Fuß auf diese Insel zu setzen.

Mancher erlebt die sich selbst vernichtende Liebe, weil er ihr die Möglichkeit gab, ein zeitbegrenztes Inseldasein zu führen und danach an den Ansprüchen der nicht gleichen Träume von Liebe scheitert.

Mancher gibt auf und zieht sich mit seinem Traum von der Liebe zurück, auf sein ganz eigenes kleines Eiland der Glückseligkeiten.

Liebe ist Leben. Liebe ist ein Begriff für viele unterschiedliche Emotionen, die gemeinsam das ausmachen, was wir Liebe nennen.

Ohne Liebe sind wir tot. Tot in uns selbst, wie gefangen in einem Kerker, dessen Schlüssel wir selbst fortgeworfen haben.

Die berühmten drei Worte sind eine Metapher für ein Empfinden, das vielschichtig, alles beherrschend, unaussprechlich und unverzichtbar ist.

Das Erlernen der Liebe füllt ein ganzes Menschenleben aus und wenn wir Abschied nehmen müssen vom Leben, heißt das noch lange nicht, dass jeder das Glück hatte, seinen persönlichen Liebes-Traum überhaupt für sich selbst erkannt zu haben.

Es liegt sehr viel daran, was für lehrende Zeitbegleiter unseren Lebensweg kreuzen. Was sie uns vermitteln an Erfahrungen, gelebtem Leben…wie viel Rückgrat sie uns lehrten, wie viel Selbst-Bewusstsein in uns reifen konnte.

Wir werden zu denen, die wir sind, durch die Geschichten der Lieben, die wir um uns sehen. Die sich auf Inseln abspielen, in Tälern, auf Höhenzügen oder aber sich im nie endenden Dauerabsturz befinden.

Der Traum von der Liebe ist die erneuerbare Energie eines jeden Menschen, aus sich selbst schöpfend, einem Perpetuum mobile gleich und das Räderwerk des Lebens in Schwung haltend.

Alles schwingt!

Petra

 

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ICH GEHÖR NUR MIR

Kamst irgendwann in mein Leben –

meintest, mir Liebe zu geben.

Erdrücktest mich mit dieser Last.

Hab mir oft ans Herz gefasst,

weil kaum noch Luft zum Atmen war.

Inzwischen ist mir eines klar:

Bin kein Besitz von dir –

denn ich gehör nur mir.

 

Sprichst es aus, erzählst es allen.

Keinem mag es je einfallen,

zu reden und zu lachen

mit mir – dem ach so schwachen

Weibe, das doch dir gehört!

Glaubst, wenn du es oft beschwörst,

lieg ich zu Füßen dir –

Doch ich gehör nur mir.

 

Gezeichnet nur durch dich,

fühlt meine Seele sich.

Gebrandmarkt meine Stirn,

gedankenlos mein Hirn.

Geführt von fremder Hand,

der ich lang nicht widerstand,

ging ich den Weg mit dir –

doch ich gehör nur mir.

 

Besitzanspruch vertan.

Zu groß dein Führungswahn.

Kein Springen mehr bei Fuß,

kein kalt erzwungener Kuss.

Kein Schnippen deiner Hand

raubt mir mehr den Verstand.

Heut geh ich fort von dir –

denn ich gehör nur mir.

 

© Petra Jähnke, 21.05.14

 

 

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Freundschaft

F  ür einander da zu sein

R  uhe zu bewahren, wenn der andere neben sich steht

E  hrlichkeit, egal worum es geht

U  nerschütterlich, wenn auch die Stürme toben

N  eidlos anzuerkennen, was man selbst nicht hat oder kann

D  urch dick und dünn zu gehen

S  challend miteinander zu  lachen

C  haos oder Flaute gemeinsam zu ertragen

H  and in Hand, auch wenn Kilometer trennen

A  ufrichtiges Mit-fühlen und Mit-denken

F  ixpunkt füreinander zu sein

T  ragen zu helfen, was den anderen in die Knie zu zwingen droht

 

© Petra Jähnke

All denen gewidmet, die ich meine Freunde und Freundinnen nennen darf

 

Alles schwingt!

Petra

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Eine tolle Mischung Mann

In den Achtzigern des letzten Jahrtausends arbeitete ich in meinem Beruf als Erzieherin. Ich war Ende Zwanzig, ledig und ging in meinem Job voll und ganz auf. Ich hatte für den Deutschen Kinderschutzbund eine der ersten Hausaufgabenhilfegruppen Deutschlands aufgebaut, die für Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen entstanden war. Mittlerweile sammelten sich in dieser Gruppe die verschiedensten Nationalitäten wie Türken, Vietnamesen und Libanesen und die Altersspanne reichte vom Kinderwagenalter bis um die zwanzig. Wir hatten einen ungenutzten Klassenraum in einer der Schulen unseres Ortes für uns. Es wurden Hausaufgaben gemacht, aber auch gespielt, Vokabeln geübt oder einfach nur geredet und gelacht. Es gab immer ausreichend Milch, Säfte, Kekse und hin und wieder auch belegte Brote für alle, die hungrig waren… und das waren viele dieser Kinder. Meine Arbeit, die um halb eins begann, war die interessanteste und abwechslungsreichste, die ich mir vorstellen konnte.

Ach, weißt du – komm doch doch einfach mit in diese Zeit, ich lade dich herzlich ein!

Alle sind sie da: Sabine, Carsten, André, Michael, Trung, Nam und Mai aus Vietnam, Chang aus China und meine drei Mädels, wie ich sie nenne: Drei libanesische Schwestern im Alter von 16, 18 und 20 – Lina, Ferial und Suad.

Die drei können recht gut Deutsch, sie leben schon ein paar Jahre hier und sie kommen mit Erlaubnis ihrer Eltern in die Gruppe. Sie werden immer von einem ihrer Brüder gebracht, davon gibt es vier. Wenn die größeren nicht können, bringt sie eben der kleine, der stolze 12 Jahre alt ist. Ernsthaft und sich seiner Verantwortung voll bewusst geleitet er sie bis an die Eingangstür, um sie abends zuverlässig wieder abzuholen. Suad, die Älteste, ist recht schweigsam, Lina, die Jüngste, zickt und bockt, doch Ferial sprüht nur so vor Lebensfreude und Energie!

Zu unserer Unterstützung und um sein Praktikum bei uns zu absolvieren, ist ER da:

30 Jahre, Student der Sozialpädagogik, sehr groß, sehr gutaussehend (oh ja, doch! ) , dunkles Haar, gepflegter Vollbart – Freddi Börwold. Jeden Tag wird er angehimmelt von den Mädels, wenn er mit den Jungs typische Männersachen macht wie Sägearbeiten oder Karten spielen. Sechs Wochen lang erhellt er unsere Welt und wird mit weiblicher Raffinesse ausgefragt von meinen drei Libanesinnen. So erfahren wir also, dass er geschieden ist, eine kleine Tochter hat, vorher einen Handwerksberuf erlernt hat… alles höchst interessant und so aufschlussreich!

Die drei stecken oft ihre Köpfe zusammen, tuscheln, machen sich Zeichen und nicken verschwörerisch. Dann irgendwann ist es soweit: „Du, Mutterrr Jääähnke! Du bist doch so schöne Frau, blondes Haar, blaue Augen, sooo klug! Und allein…!!!“

 „Ja und, Ferial?“ frage ich und denke nur: typisch, dass sie das Wort ergreift!

Ferial schaut mit dem umwerfendsten Blick, zu dem eine 18jährige fähig ist, Freddi an. Da sitzt sie also am Tisch mit ihren Schwestern, zwischen mir und Freddi Börwold, die wir im Raum stehen und gespannt sind, was kommen wird –  und lässt ihre Augen von dem einen zur anderen  wandern mit einem unverschämt verschmitzten Lächeln!

Dann kommt die Fortsetzung: „Und du, Herr Börrrwold! So ein schönerrr Mann! Großerrr Mann! Und auch sooo allein! Schönerrr Mann, nicht wahr, Mutter Jähnke?!“

Alle drei Mädels strahlen mich an.

„Unbestreitbar, Ferial“ nicke ich ernst und schaue zu Freddi, dessen Haltung sich plötzlich sehr verkrampft. Ferial setzt nach:

„So großerrrr Mann, mit Bart! Wie Buuud Spencerrr! Ist sich Mischung aus Buuud Spencerrr und… herrje, wie ist Name? So schönerrr Mann war das! Amerikanischer Filmschauspieler! Mutterrr Jääähnke, du musst ihn kennen! Sooo schön …“

Ich zucke unwissend die Schultern und warte gebannt auf die Fortsetzung.

„Ist sich gestorben amerikanischer Filmschauspieler! Schööönerrr Mann! Nun sag schon, wie Name?“ Ferial erregt sich völlig, ringt verzweifelt die Hände und knallt es dann heraus: „Rrrock Hudsooon!“ Dabei schlägt sie sich theatralisch mit einer Hand vor die Stirn und triumphiert: „Herrr Bööörrrwold ist sich Mischung aus Buuud Spencerrr und Rrrock Hudsooon!“ Alle drei strahlen begeistert den armen Freddi an, als Ferial herausposaunt: „Sooo schönes Paar, Mutterrr Jääähnke!“

Das ist zu viel für eine arme Männerseele! Freddi, puterrot im Gesicht hinter seinem prachtvollen dunklen Bart, macht auf der Hacke kehrt, presst ein „Bin gleich wieder da“ heraus und stürmt aus dem Raum.

Totenstille. Alle anwesenden Kinder hatten fasziniert diesem Schauspiel gelauscht!

Ich kann es nicht mehr unterdrücken: mein schallendes Lachen löst die Spannung  und es kostet mich die allergrößte Selbstbeherrschung, in dieses Gelächter hinein meinen erzieherischen Pflichten nachzukommen.  Ich setze mich zu den Mädels und unter immer wieder ausbrechendem Grinsen, umringt von der gesamten Mannschaft, versuche ich bemüht ernsthaft zu erklären, dass man so etwas nicht unbedingt aussprechen sollte, weil…

Da fällt mir Ferial ins Wort: „Egal, Mutterrr Jääähnke, ich musste es sagen! Ich wäre errrstickt sonst! Wo er doch so schöne Mischung ist aus Buuud Spencerrr und Rrrock Hudsooon und du sooo schöne Frau!“ Und so gebe ich es lachend auf, aus dem Ganzen eine allgemein gültige Lehre ziehen zu wollen, hole Freddi zurück, der sich wieder gefangen hat, und als wir hereinkommen, ich ihn an der Hand hinterher ziehend, braust Applaus auf. Von da an hört er brav auf „Rrrock Hudsooon“ oder „Buuud Spencerrr“ und ich strahlend auf „Mutterrr Hudsooon“… Ein schönes Gefühl, wenn auch nur für kurze Zeit, beneidete Frau einer solch tollen Mischung Mann gewesen zu sein!

 © Petra Jähnke  2014

 

Alles schwingt!

Petra

 

 

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LEBENSLINIEN

Seidig-glänzend, streichelzart.

Kalt wie Eis, gleich Stein so hart.

 

Hirngespinst, zerrissen grau.

Oft ein Nichts, in das ich schau.

Dunkler Schatten, der sich hebt,

fragt mich: Hab ich je gelebt?

Schwere Wege, die gegangen,

halten mich wie eingefangen.

All die Leichtigkeit des Seins

schien noch nie bei mir, nie meins.

Stets nur Spurenelemente.

Wenig Glanz – die Firmanente

dieser kleinen großen Welt

staubig in ein Eck gestellt.

Kreuz und quer zerrissene Träume.

Knorrig-trotzig wie die Bäume,

die Jahrhunderte bestehen,

ohne je vom Platz zu gehen.

Zarte Linien, kaum erkennbar.

Entstanden, als die Furcht nicht da war.

Auf verschob ‘nen Ebenen

Furchen, die ich zu gut kenn´.

Deren Spuren prägend sind,

ausgehöhlt vom rauen Wind.

 

Doch Linien voller Leichtigkeit

zieh’n ein Gitter durch die Zeit.

 

© Petra Jähnke, 8/2014

 

 Alles schwingt!

Petra

 

 

 

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