Archiv für den Monat August 2014

Jahre sind nur eine Zahl

Da steht er nun also vor ihr und sie spürt, wie ein Lächeln unaufhaltsam in ihr aufsteigen will. Er ist es tatsächlich – unfassbar! Nach fast einem Leben, das vergangen ist seit damals.

Sechszehn war sie und – um mit den Worten ihrer Mutti zu sprechen – ein hypnotisiertes Kaninchen.

„Theo; wir fahr´n nach Lodz“ schmetterte Vicky aus den Musikboxen und sie fand ihn umwerfend, wie er da so lässig mit der Zigarette in der linken Hand an den Wagen gelehnt stand und sie anschaute. Gute Augen hatte er, das hatte sie nie vergessen. Die warm blickenden Augen eines ein paar Jahre älteren Mannes. Er war im Alter ihrer Brüder und es gab für sie daher keine Probleme, mit ihm umzugehen. Kumpelhaft war sie wohl – burschikos, wie sie auch mit ihren Brüdern redete und lachte. War es das, was ihn  damals an ihr faszinierte?

´Er jedenfalls war eine Offenbarung für mich!´  – und ihre Augen lachen, während sie diesen Satz denkt.

Eine Engelsgeduld hat er mit ihr gehabt. Er hat sie nie bedrängt, sich immer anständig verhalten. Sie wusste zwar, was ein Mann mit einer Frau so machen möchte, aber er mit ihr? Das kam ihr nie in den Sinn. Sie war zu sehr in der Rolle der kleinen Schwester verhaftet, als dass es auch nur ansatzweise in ihren Vorstellungen möglich gewesen wäre, dass sie* mit…ihm*? Niemals!

Er war einfach ihre erste Liebe. So ganz aus dem Herzen heraus. Mit diesem Gedankenkreisen um ihn, mit diesem völlig zeitlosen Glücksgefühl, wenn er in ihrer Nähe war.

Ihr Lied war damals „Wir zwei fahren irgendwo hin“ und die Melodie erklingt in ihr, während sie an den Herzschmerz denkt, wenn er nicht kam, wenn er nicht anrief. Fast ein Jahr hat das damals gedauert und als er ging, da tat es weh, unendlich sogar.

Und nun steht er vor ihr, nur wenige Meter von ihr entfernt und sie sieht ihm an, dass auch bei ihm alles wieder da ist.

Die Wärme seiner Augen ist noch intensiver als vor 40 Jahren, denkt sie verblüfft.

Und in der nächsten Sekunde steht vor ihrem inneren Auge diese brutale Vierzig. Zwei gelebte Leben liegen zwischen und hinter ihnen beiden. Was mache ich hier, fragt sie sich.

Er kommt auf sie zu und bleibt vor ihr stehen. Sie lächeln beide, schauen und schauen, bis er ihre Hand nimmt, sich leicht zum Gehen wendet und sie sanft mit sich zieht.

„Komm, Kleine – wir zwei fahren irgendwo hin“.

 

© Petra Jähnke, 2014

 

Alles schwingt!

 

Petra

 

 

 

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
Ich werde antworten!

 

EASY RIDER FEELING

Sonntag morgen, die Sonne strahlt,

der Kaffee war dampfend und stark.

Ich habe den Eindruck, das Leben zahlt

den ersten Preis aus in Heller und Mark!

Rein in die hautenge Lederkluft,

den Helm auf, Visier ganz nach unten.

Ich fühle mich wie der größte Schuft,

denn gleich ist der Alltag versunken!

Im Ohr den satten Motorenklang,

das Vibrieren der schweren Maschine,

dazu des Fahrtwindes Freiheitsgesang

und meine strahlende Miene!

Die Welt um mich rum einfach grenzenlos,

Hey Leben, hörst du? Ich komme!

Mutter Erde und ich in deren Schoss –

Und am Himmel die gleißende Sonne!

Ich atme und rieche, ich höre und schau-

Absorbier´ der Natur Symphonie.

Ich weiß sehr vieles, doch EINS nur genau:

Auf dies´ Feeling verzichte ich nie!

© Petra Jähnke 2011

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
Ich werde antworten!

 

AM MEER

Vor dir erstreckt sich das endlose Meer,

ein nie endendes Rauschen der Wellen.

Am Himmel zieht träge ein ganzes Heer

von Wolken, um den Blick zu verstellen

auf Sonne und Bläue. Dafür aber Grau

in allen nur denkbaren Wandlungen,

selbst das Wasser ein fast schwarzes Blau

mit weiss aufschäumenden Brandungen.

 

                                 Muscheln knirschen bei jedem Tritt                                    

unter deinen langsamen Schritten.

Bückst dich, nimmst die schönsten mit,

ein kleiner Bernstein blinkt inmitten

eines Haufens angespülten Tangs.

Auch er wandert in deine Tasche,

wird ein Teil deines reichlichen Fangs –

kommt zuhaus in die bauchige Flasche.

 

Dieser Glasbehälter birgt jeden Fund

jener Stunden, die nur dir gehören:

in denen du eins bist mit allem und

niemand da, um dabei dich zu stören.

Schreie der Möwen, umtost vom Wind,

ähneln der Melodie des Lebens –

diese Momente in der Natur, sie sind

für das Gleichmaß in dir nie vergebens.

 

© Petra Jähnke 2012, erschienen in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“ im Lyrika Verlag

ALLES SCHWINGT!
PETRA

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
Ich werde antworten!

Viele Gesichter hat die Welt

Viele Gesichter hat die Welt und die Sichtweise, wie wir auf diese Gesichter schauen, ist noch vielfältiger. Gibt es eine universelle Wahrheit oder doch viele einzelne Wahrheiten, weil jeder mit anderen Augen wahr-nimmt, was um ihn herum geschieht? Ein und dieselbe Situation kann völlig verschiedene Erzählformen annehmen, je nachdem, wer sie wie gesehen und „erlebt“ hat.

Das WIE ist in diesem Zusammenhang nicht eine Frage der Sehkraft,

sondern vielmehr eine Frage der eigenen Erlebnis- und Erfahrungswelt:

 Zwei Menschen sitzen nebeneinander auf einer Bank am Wasser, die Sonne geht langsam unter, ein einsamer Angler rudert gemächlich vorbei, sie unterhalten sich über Privates. Der eine, Paul,  hört zu, ist entspannt nach einem runden Tag. Der andere, Joost,  berichtet von einer Dauerbelastung daheim und schüttet sein Herz aus.

 

Bericht von Paul:

„Es war eine schöne Abendstunde, das Wasser glitzerte   und die untergehende Sonne spiegelte sich wunderschön, eine leichte Brise wehte vom Wasser herüber.  Es hatte sowas friedliches, als der Angler vorbei ruderte…ich musste an meine Kindheit denken und meinen verstorbenen Vater, der so gern zum Fischen hinaus fuhr.

Joost hat mir sein Herz ausgeschüttet. Ich riet ihm, nicht alles so tragisch zu nehmen, doch einfach diese Atmosphäre zu genießen, mal runter zu schalten. Ein gutes Gespräch war das heute Abend.“

 

Bericht von Joost:

„Ich weiss nicht, warum wir da sitzen mussten! Es war kalt, ein Wind blies. Die Sonne ging unter, es war schon fast dunkel, selbst der Angler hatte genug und fuhr ans Ufer, um ins Warme zu kommen! Und zugehört hat mir Joost auch nicht richtig, immer nur von zur Ruhe kommen gefaselt. Das hätte ich mir schenken können. Vertane Zeit.“

 

Beide haben ihre persönlich eingefärbte Wahrheit wiedergegeben. Sie waren zur selben Zeit am selben Ort, sahen dasselbe und trotzdem hört es sich an, als würden sie von verschiedenen Erlebnissen berichten.  Ihre Verfassung war zu unterschiedlich, ihre Seelenlage nicht zu vergleichen.

 

Ist also die Wahrheit  etwas individuell „wahr“-genommenes?

Ist sie es nicht, würde die Schlussfolgerung bedeuten, dass einer von beiden nicht die Wahrheit sagt…

© Petra Jähnke 2011

 

ALLES SCHWINGT!

Petra

 

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
Ich werde antworten!

WOLKENREISE

Leg dich hin auf die Wiese,

schau ins Himmelsblau-

die Wolke dort! Ein Riese

aus weißestem Flaum, oh schau!

 

Heb ab mit mir und fliege

hinauf in diese luftige Welt.

                                      Wir drehen eine weite Biege,                                      

zu uns sich ein Adler gesellt.

 

So wie er segeln wir auf dem Wind,

spüren wärmendes Sonnenlicht.

Du und ich, wir beide sind

dem Himmel ganz nah und so dicht.

 

Wolkenberge, umwerfend schön,

sich unter uns hoch auftürmen-

Über uns tiefstes Blau zu sehen-

wir könnten die Himmel erstürmen!

 

Fühl den Wind, der dich umspielt,

der dich führt  und sicher hält

und dich fortträgt ganz gezielt

in die Höhen unterm lichten Zelt.

 

Schäfchenwolken kommen gezogen,

als tummelten sie sich auf Erden,

während wir noch höher geflogen,

um wie losgelöst zu werden.

 

Zirruswolken, wie Federwische

streifen sie uns nur ganz sachte.

Die Erde ein Farb- und Formengemische,

als wenn ein Maler es machte!

 

Endloser Raum, der uns umgibt,

nicht ein Gedanke an morgen.

Freiheit, die jede Grenze aussiebt-

lass dies vom Leben uns borgen.

 

Wir geben es unbeschadet zurück,

nachdem wir die Reise beendet.

Minuten voll Leichtigkeit und Glück

hat der Himmel an uns verschwendet.

 

© Petra Jähnke, 2012 veröffentlicht in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“ im Lyrika Verlag

ALLES SCHWINGT!
PETRA

 

 

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
Ich werde antworten!

 

 

Irgendetwas fehlt immer

Gibt es ihn, den perfekten Tag?

Die Sonne scheint, der Kaffee war kräftig und belebend, die Stimmung eigentlich gut.

Alle Pflichten sind erledigt und es soll nun an die Kür gehen:

schreiben, Gedanken einfangen und wohl formuliert zu Papier bringen…

Etwas, das mir eigentlich liegt, das ein Teil meiner Welt geworden ist!

Doch kaum sitze ich, klingelt das Telefon….ein Blick auf das Display, ach je da muss ich rangehen.

Problemgespräch….intensiv und ernst. Alle kleinen Gedankenfetzen, die mal da waren und so wunderprächtig aufs Papier gepasst hätten, sind weg….

Ok, also Kopf leer kriegen, ablenken mit Bürokram. Längst fälliges ausdrucken….von wegen! Die schwarze Druckpatrone ist leer!  Wo ist der Nachschub? Endloses Gesuche bis endlich alles wieder funktionstüchtig gemacht werden kann.

Leiser Frust schleicht sich an, so ganz sachte von hinten… ich spüre ihn ganz entfernt am leichten Kribbeln in meinem Nacken…

Frustaustreibungsmittel ganz eindeutig Schokolade! Treppe runter in die Küche, Apothekerschrank auf, Griff ins Leere…..na ganz toll, also echt!

Die Sonne strahlt unverdrossen vom Himmel, alles ist guuut…. Nur nicht unzufrieden werden jetzt!

Ein Glas gefüllt und wieder voller bester Absichten an den PC – nun geht es aber los.

Da sitze ich dann und lasse die Gedanken laufen und ohne dass ich es will, schaue ich in mich hinein und merke, da fehlt noch mehr…

Da fehlt eine liebevolle Umarmung, da fehlt ein aufmunterndes Zwicken in den Po, ein Scherz im Vorübergehen….

Unsinn, sage ich zu mir und fange dann doch dieses Fehlen ein, umbaue es mit Worten und tippe sie in meine Tastatur. Es fließt wie von allein, sprudelt einfach so hervor.

Ganz erstaunlich, was sich da mal wieder Bahn gebrochen hat.

 Der Nacken schmerzt ein wenig, Hände fehlen, die ihn jetzt sanft aber kräftig massieren würden…

Die Sonne geht langsam unter, ein traumhafter Sonnenuntergang ist das, würde ich jetzt gern zu

jeMANNdem sagen.

Irgendetwas fehlt halt immer…

 

© Petra Jähnke  2012, veröffentlicht in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“ im Lyrika Verlag

 

Alles schwingt!

Petra

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!

Ich werde antworten!