Archiv für den Monat September 2014

Vom Lernen und dem inneren Reichtum

Lernen zu können, ist ein Geschenk des Lebens. Es zu können, weil man genug Verstand dafür hat, weil das eigene Hirn unendlich viel Wissen speichern und aus dem Gelernten etwas Sinnvolles umsetzen kann für einen selbst, das ist ein unendlich wertvolles Gut.

Wir lernen

Dinge, die uns interessieren,

Fähigkeiten, die wir haben möchten,

Zusammenhänge zu erfassen,

Fertigkeiten, die uns weiterhelfen,

neue Sprachen, um uns verständigen zu können,

backen und kochen, damit wir unsere Lieblingsgerichte genießen können,

und und und…!

 

Die schönsten und wertvollsten Lehren eines Lebens sind die des Herzens.

Wenn wir enttäuscht wurden und glauben, niemandem mehr vertrauen zu können, wird sicher ein Mensch in unser Leben treten, der uns lehrt, was Vertrauen bedeutet.

Wenn unsere große Liebe zerbrochen ist und wir denken, dass es nie wieder ein ähnlich tiefes Gefühl für uns geben wird, begegnet uns bestimmt jemand, der für die Liebesfähigkeit in uns wie gute Medizin ist.

Wenn wir aus Angst vor dem Unbekannten es nicht wagen, neue Wege zu gehen, wird sich ein Mensch finden, der uns an die Hand nimmt und uns unsere eigene innere Stärke spüren lässt.

Wenn wir meinen, dass die Trauer um einen geliebten Menschen uns das Herz aus der Brust reißen wird, findet die Lehre zu uns, in Liebe loslassen zu können.

Alles, was wir im Laufe unseres Lebens lernen, sind Bausteine für unser Wissen und ganz besonders für unsere Herzensbildung.

 Alles schwingt!  Petra

 

 

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AN DER SCHWELLE

An der Schwelle zwischen Tag und Nacht,

wenn die letzten schwachen Sonnenstrahlen verlieren

gegen die unaufhaltsam aufsteigende Dunkelheit,

wenn die Bilder des Tages verblassen

im ersten Grau des Abends,

wenn die Bilder der Seele zaghaft

empor steigen in das Bewusstsein,

wenn ein Zwischenreich existiert

 – für kurze Zeit nur –

das die Spuren des Lichts vermischt

mit den Versprechungen der Nacht,

wenn ein Schweben möglich wird

von schwereloser Leichtigkeit,

wenn sich Gestern und Heute vermischen

im Übergang nach Morgen,

wenn alles sich löst, was war

und alles möglich scheint, was kommt,

dann ist dies die magische Stunde

der sich schärfenden Sinne,

um das Dunkel zu bannen und

die Zeit anzuhalten für

die Unendlichkeit

© Petra Jähnke, 2014

Foto © by Zwilling

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Glaub an dich selbst

Leichter gesagt, als getan?

Stimmt. Aber wer hat uns versprochen, dass es leicht sein wird, unser Leben?

Es gibt unendlich viele Fallstricke auf dem Weg – manche reißen uns regelrecht die Beine weg und wir sind – fast wörtlich zu nehmen – am Boden zerstört. Für das WARUM gibt es ebenso unendlich viele Gründe: Enttäuschungen – zu hohe Erwartungen an jemanden, an uns selbst – Misserfolge im Berufsleben – gescheiterte Beziehungen –  eigene Fehlentscheidungen, deren Konsequenzen an uns nagen – jeder von uns könnte weitere Beispiele aufzählen!

Was ist mit wirklich schweren Krankheiten, fragst du? Können die uns nicht den Mut rauben, uns kraftlos machen, uns aufgeben lassen wollen?

Irgendwann mag es so sein, denn du und ich, wir leben nicht ewig auf dieser wunderschönen Erde. Es wird der Tag kommen, da wir die Fahne streichen müssen, uns fügen in unser Schicksal.

Doch solange es geht, solange in uns noch Kraft und Lebensmut vorhanden ist, sollten wir nie aufgeben. Nie. Sie hat gut reden, meinst du? Ja, habe ich. ich schreibe hier nicht rein hypothetisch und gebe Durchhalteparolen aus, ohne zu wissen, worüber ich mich äußere. Ich gehe seit Jahren meinen Weg durch die diversen (chronischen) Krankheiten – unglaublich, wie viele einen Einzelnen so treffen können… Es summieren sich die unterschiedlichsten ´Defekte´ in mir, und sie sind alle keine Bagatellen. Und trotzdem ist das Leben schön! Auch wenn ich Abstriche machen muss meine Gesundheit betreffend, auch wenn ich Einschränkungen annehmen muss, auch wenn der Schmerz mein täglicher Begleiter ist.

Glaub an dich selbst, so wie ich es tue. In dir verborgen liegen so viele Kraftreserven, zapfe sie an! Gib dich nicht vorzeitig auf, denn das Leben hält schon hinter der nächsten Ecke neue Überraschungen bereit. Es mag eventuell eine Weile dauern, bis du sie erreichst, diese nächste Ecke – aber wenn, wirst du dir sagen können: Na bitte, es hat sich gelohnt, dass ich an mich geglaubt habe!

© Petra Jähnke 2014

 

Alles schwingt!

Petra

Ein wenig weiterer Lesestoff auf meiner Autorenseite:

http://www.petra-jaehnke.de/Auf-dem-nie_enden_wollenden-Weg-zu-sich-selbst.htm

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LIEBE

Es geht nicht – so sprach der Verstand

Alles geht – so spricht die Liebe

 

Ich kann nicht – so sprach die Angst

Ich kann, wenn ich will – so spricht der Mut

 

Ich darf nicht – so sprach die Konvention

Ich darf, was mir gut tut – so spricht die Individualität

 

Ich zerbreche – so sprach der Kummer

Ich bin stark – so spricht die Zuversicht

 

Ich ertrage es nicht- so sprach das Leid

Ich gehe meine Weg- so spricht die Kraft

 

Ich weiß nicht mehr weiter – so sprach die Verzweiflung

Ich sehe ein Licht – so spricht der Lebensmut

 

Ich bin widerlegt – so seufzt der Verstand

Ich triumphiere stets – so strahlt die Liebe.

 

©Petra Jähnke 2011, veröffentlicht 2012 in „Der Koi (an) der Kü(s)ste“ im Lyrika Verlag

 

Alles schwingt!

Petra

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Von dem, was war und dem, was ist

Unser Leben ist einem Strauß strahlend-schöner Blumen gleich.

Wenn wir unseren Weg beginnen, tragen wir die Samen der schönsten Blumen mit uns.

Im Laufe unserer Jahre erblühen sie, eine nach der anderen – eine schöner als die andere.

Jede entfaltet sich in ihrem eigenen Tempo und sie blüht solange, wie es ihr seit ihrer Samenkorn-Zeit vorgegeben ist.

Die Blütenköpfe bilden sich aus – inwendig, geschützt durch die Blütenblätter, entwickelt sich das, was diese eine Blume ausmacht und was ihr Dasein weitergeben wird in Form eines neuen Samens.

Wenn die Blüte als Ganzes sich entfaltet, sich öffnet und dem Licht entgegen strebt, so zeigt sie sich dem Betrachter in ihrer vollen Schönheit und bezaubert ihn allein durch ihr Sein.

Nicht alle Blüten unseres Straußes entfalten sich zur selben Zeit.

Manche sind schon am Verblühen, während sich die nächsten erst zu ihrer Pracht entwickeln. Die verblühten Blumen unseres Straußes verabschieden sich von uns und geben denen, die nun aufblühen wollen, neuen Raum.

So kommt es, dass in unserem Lebens-Strauß ein immerwährendes Vergehen und Entstehen ist und sich seine Schönheit verändert, obwohl er immer der gleiche bleibt.

Die einen Blüten stehen für unsere Kindheit, die anderen symbolisieren unser Alter.

Einige stehen für unsere Fähigkeiten, andere für unsere Schwächen.

Viele von ihnen tragen unsere Kraft und unsere Lebensfreude, manche sind Zeichen unserer Liebesfähigkeit und unserer Abschiede.

Die prachtvollsten unter ihnen verkörpern unsere Gesundheit, doch nicht alle von diesen sind auch die dauerhaftesten.

Verblüht eine, die Teil davon ist, so wird sich keine neue finden, die sie ersetzen könnte.

Doch jede, die vergeht, schafft Raum und Zeit für die Blüten, die aus dem Mangel erwachsen. Ihre Namen sind Geduld und Nachsicht. Sie sind von ganz anderer, doch nicht minder großer Schönheit.

Wenn die Zeit kommt, da alle Blumen erblüht und verblüht sind,

wenn unser Lebens-Strauß vergeht,

so wird von uns das bleiben,

was wir als Samen unserer Umwelt hinterlassen haben.

©Petra Jähnke, 9/2014

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BITTEN UND GABEN

Ich bat um Nahrung

und lernte mein Wissen zu mehren

 

Ich bat um Erfüllung

und entdeckte meine Gaben

 

Ich bat um Wärme

und spürte mein Herz in mir

 

Ich bat um Wurzeln

und fand Freunde

 

Ich bat um Gesundheit

und bekam Kraft, Schmerz zu ertragen

 

Ich bat um Leben

und lernte Abschied zu nehmen

 

Ich bat um Liebe

und fand sie in mir

  

©Petra Jähnke, 25.06.2013 – veröffentlicht in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“ 2013 im Lyrika Verlag

Foto mfG Bärbel Hoffmann

 

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Es begab sich aber…

Es begab sich aber zu der Zeit,

da alle sich im Recht und Reichtum wähnten,

dass aufrechte Männer und Frauen

nicht mehr Lohn und Brot mittels

ihres Hirns oder ihrer Hände

Arbeit erwerben konnten.

Denn das Recht hatte viele Gesichter

und der Reichtum keine Heimat mehr

unter allen Dächern.

Und die Besitzer der Dächer

erschauerten bei dem Gedanken,

dass unter dem ihren

jene Gestrandeten wohnen könnten,

die aus dem großen Geldtopf des Volkes

ihr Bleiben darunter zahlen würden.

Denn auch die sich im Recht Glaubenden

misstrauten dem Recht und dem Reichtum,

die doch  für alle gelten sollten.

© Petra Jähnke, 2014

 

 

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WEDER – NOCH

Licht und Schatten dieses Lebens

liegen dicht an dicht, mein  Herz.

Aufbegehren wär´ vergebens,

macht dir nur erneut viel Schmerz.

 

Weder heiß noch kalt allein

bilden deinen Lebensraum.

Wird stets Sturm und Flaute sein

und sachter Wind am Wegessaum.

 

Gibt nicht nur ein Schwarz und Weiß.

Viele Töne sind dazwischen.

Auf dem Weg von Kind zum Greis,

wirst du deine Farben mischen.

 

© Petra Jähnke, 9/2014

 

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Petra

 

 

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Reflektionen

Er saß am Rande des Sees, das Gesicht der  Sonne zugewandt, die Augen geschlossen. Seine Hände hielten Papiere, in denen er gelesen hatte. Geschäftsunterlagen, aber auch Texte, die voller Poesie waren. Er war an einem Punkt seines Lebens angekommen, an dem es galt, neu zu ordnen –

Neue Ordnung in seinem Inneren, eigene Wünsche bedenken – wären sie es wert, endlich ausgelebt zu werden?

Vergangenes zu reflektieren ist Schwerstarbeit, so erkannte er mit Schrecken. Vieles richtig gemacht, vieles aus Zwängen geboren:

ich muss, ich kann nicht anders, man erwartet das von mir….                                

Menschen, die viele Jahre wie selbstverständlich und unveränderbar erscheinend neben ihm gelebt haben…..neben ihm, ja das war der springende Punkt!

Neben, nicht mit ihm! Nicht er mit ihnen!

Wie war sein bisheriges Leben gewesen? Geld verdienen, Zeit totschlagen mit diesem und jenem, Prestigedenken, in der Tretmühle des Alltags zerrieben, Pflichterfüllung, Schicksalsschläge ertragen, immer funktioniert, der perfekte Fassadenmaler!

 Ein kleiner Windstoß bewegte die Blätter in seiner Hand, er öffnete die Augen, schaute auf die Seiten, obenauf Texte, in denen es sich um Gefühle drehte-

Texte, die sein tief verborgenes Selbst angesprochen hatten.

Er hielt sie sorgsam, fast vorsichtig fest, ließ seine Augen über die vom Sonnenlicht funkelnden sanften Wellen gleiten, sein Daumen streichelte unbewusst über die Blattoberseite, schon zärtlich fast.

Erneut schloss er die Augen, lauschte auf den sanften Wind, genoss den Duft nach Sonne und frisch gemähtem Gras um sich herum….

Bilder entstanden in seinem Kopf, Vergangenes zog vorüber, Schwarz-Weiß-Momentaufnahmen, nur von ganz wenigen farbigen unterbrochen. Wehmut kroch aus seinen Poren, verpasste Gelegenheiten, enttäuschte Blicke, Abschiede, Kinderlachen…

Und er spürte ganz deutlich diese Sehnsucht nach etwas Undefinierbarem in sich, nach etwas mächtigem, nie erfahrenem. Dieses Gefühl war neu, ganz unbekannt, aber nicht minder vertraut.

Es zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht, seine Züge wurden weich und entspannt.

Als er seine Augen endlich wieder öffnete, war sein Blick anders –  er glänzte, ein lang entbehrtes Funkeln lag in ihm.

Er schaute auf die Uhr, die Sonne versank allmählich, es wurde frisch. Er ordnete seine Unterlagen kurz, legte diese ihm so wichtigen Emotionen in Worten obenauf und erhob sich.

Ein letztes Rundum-schauen, wie um ihn festzuhalten, diesen Nachmittag,  einprägen von allem:

Duft in der Luft, Sonne auf der Haut und ganz speziell diese Ahnung in sich von Zukunft, von Lebensenergie, von Sucht nach sich sehnen….

Er hatte sich entschieden:

er würde dafür sorgen, dass später einmal, in ebensolchen Augenblicken, die vor seinem geistigen Auge vorüberziehenden Bilder voller Farbenpracht und Farbgewalt sein würden!

 

© Petra Jähnke, erschienen in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“, Lyrika Verlag 2012

 

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Petra

 

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Wenn das Schicksal anklopft

An dem Tag, als seine Welt zu bröckeln begann, war die Sonne von Wolken ungetrübt am tiefblauen Himmel unterwegs und über allem lag ein Hauch von Frieden.

Er hatte die Post herein geholt und nahm sie mit auf seine traumschöne Terrasse mit Blick auf das Meer. Er setzte sich in seinen Relax-Liegestuhl vom feinsten Outdoor-Möbelhersteller, griff zu seinem sündhaft teuren Whisky und schaute die Umschläge grob durch, während er sich einen Drink in sein Glas goss.

Abgelenkt durch die Flugkünste eines Schwalbenpaares schaute er einige Zeit empor und lächelte vor sich hin. ´Wo Schwalben nisten wohnt das Glück´ hatte seine Großmutter immer gesagt.

Die Werbung landete gleich auf einem leeren Stuhl neben ihm, übrig blieben drei Umschläge. Der erste kam von seiner Hausbank und enthielt die neuesten Kontoauszüge, die er nur flüchtig überflog. Der zweite hatte Zeit, es war eine berufliche Angelegenheit und er war nicht im Büro – also beiseite auch mit dieser Post.

Den dritten schaute er erstaunt an, denn er konnte den Absender nicht gleich erkennen. Dann sah er die kleine Zeile im Adressfenster oberhalb seiner Anschrift und hielt inne. Dieser Umschlag kam aus dem Universitätsklinikum, in dem er vor zehn Tagen zum großen Check-up war.

Er ging schon seit vielen Jahren einmal im Jahr dorthin – ´währet den Anfängen´, auch so ein Spruch seiner Großmutter, den er verinnerlicht hatte. Nie hatte er je Post danach erhalten. Er legte den Brief auf den Terrassentisch und trank sehr langsam einen Schluck von seinem Whisky, während er sich bemühte, seinen sich steigernden Herzschlag durch tiefe Atemzüge zu beruhigen.

Er stellte das Glas auf den Tisch und nahm ihn in die Hand, diesen ersten seiner Art. „So also fühlt es sich an“, dachte er, „wenn das Schicksal anklopfen kommt…“. Er öffnete den Umschlag ebenso langsam, wie er ihn schon gewendet und gedreht hatte. Dann nahm er das Schreiben der Klinik heraus, es waren mehrere Seiten, und las den Inhalt, ohne ihn recht fassen zu können. Drehten sich diese Zeilen um ihn? Er schüttelte ungläubig leise mit dem Kopf, nahm einen neuerlichen Schluck aus seinem Glas und las nochmals von vorn.

Die Sonne, die geradezu unverschämt strahlte und den Himmel erhellte, erlosch für seine Augen. Ein Vorhang schob sich in seinen Blick, der alles andere ausblendete, was ihn eben noch zum Lächeln gebracht hatte. Er starrte auf das Meer, das in ein paar hundert Metern Entfernung unverändert sanft auf den Ufersaum traf. Der erste Umschlag dieser Art lag auf seinem linken Schenkel, die Hand als wolle sie ihn unsichtbar machen darüber. In seinen Ohren rauschte es leise und es fühlte sich für ihn an, als könne er seinen eigenen Gedanken lauschen.

In diesem Augenblick spürte er, wie sein bisheriges Leben zu zerbröckeln begann in tausend kleinste Teile. Nichts wird mehr sein wie vor diesem Umschlag – alle Rituale seines Tages, die er so liebte – dass er sie liebte, wurde ihm siedend heiß in diesem einen Augenblick erst bewusst! – waren Vergangenheit geworden beim Lesen dieses Schreibens. Schwarze Zeichen auf weißem Grund hatten Kraft genug, um wie mit einem Vorschlaghammer die Vorzeichen seines Lebens umzudrehen.

Eine Kälte, die aus ihm heraus kroch, verursachte ein feines Erschauern an seinem ganzen Körper, als er aufstand, um ans Telefon zu gehen…

© Petra Jähnke, 2014

 Alles schwingt…

Petra

 

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