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Es begab sich aber…

Es begab sich aber zu der Zeit,

da alle sich im Recht und Reichtum wähnten,

dass aufrechte Männer und Frauen nicht mehr Lohn und Brot

mittels ihres Hirns oder ihrer Hände Arbeit erwerben konnten.

Denn das Recht hatte viele Gesichter

und der Reichtum keine Heimat mehr unter allen Dächern.

 

Und die Besitzer der Dächer erschauerten bei dem Gedanken,

dass unter dem ihren jene Gestrandeten wohnen könnten,

die aus dem großen Geldtopf des Volkes

ihr Bleiben darunter zahlen würden.

Denn auch die sich im Recht Glaubenden

misstrauten dem Recht und dem Reichtum,

die doch  für alle gelten sollten.

© Petra Jähnke 2014

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
Ich werde antworten!

 

 

Kaminstunde

Komm, abgespannt siehst du aus, müde vom Tag, müde vom Leben.

Der Kamin ist an, lass uns davor sitzen und dem Knistern lauschen, ja?

Ich möchte mit dir ein wenig erzählen von Türen, die sich schließen und von anderen, die sich öffnen.

Von der Berg- und Talbahn des Seins und der Ruhe in der eigenen Mitte.

Wenn man jung ist, erscheint alles weit fort …die Pflichten, die Tretmühle, Krankheiten.

Je älter man wird, umso mehr drängen diese Dinge in den Vordergrund, bestimmen irgendwann den Tag, besetzen das Denken und blockieren das Fühlen.

Man funktioniert und regelt alles, was  zu regeln ansteht:  

Früh hoch, Frühstück bereiten, zur Arbeit, Arzttermine, Hiobsbotschaften, Geldmangel, Stress mit dem Partner, den Haushalt, todmüde umfallen und nach zu kurzer Nacht dasselbe Spiel von vorn.

Soll das Leben sein? Eine berechtigte Frage stellst du da…

Die Antwort kann nur sein: ja, wenn du es zulässt, dann ja!

Etwas Positives hat das Älter-werden, es ist die Gewissheit, dass alles, was geschieht auch ohne uns geschehen würde.

Wären wir nicht da, wir würden nicht erheblich fehlen!

Andere wären da, die reagieren müssten.

Die nur jetzt zu oft abtauchen, weil wir nun mal DA sind.

Weil wir, du und ich, zu oft springen…

was, es geht dir schlecht? Keine Sorge, ich helfe, ich fange auf, ich gleiche aus…

Das wäre schon einmal die erste Tür, die wir zumindest anlehnen dürfen und mit Nachdruck darum bitten können, dass erst angeklopft werden sollte, bevor man uns einfach überfällt.

Warum sind wir eigentlich immer verfügbar?

Haben wir keine eigenen Bedürfnisse?

Ach schau an, wir haben?

Ich muss auch lachen, du!

Du hast auch sicher diese speziellen Freunde, die dich nur kennen, wenn sie in Not sind, nicht wahr? Die dich aber kaltschnäuzig ausboten, wenn deren Hilfe mal gebraucht wird. Mit Worten wie: ach das geht nicht, ich habe Termine.

Mein nächster Termin wird sein, mich selber zu treffen!

Ich hab viel zu lange das Jasagen praktiziert.

Wie spricht es sich denn so, dieses Nein, fragst du?

Wunderbar! Ganz ehrlich, es ist ein kraftvolles Wort und geht federleicht über die Lippen!

Ich trainiere es gerade, auszusprechen.

Bei manchem Nein schließen sich dann Türen, sie knallen regelrecht zu, sodass es im Gebälk erzittert. Wenn es denn sein muss, bitte.

Dafür öffnen sich als hochwertiger Ersatz Tore, die ich nie vorher wahrgenommen habe. Du auch nicht? Das wundert mich jetzt nicht wirklich, lass uns drauf anstoßen!

Also das größte Tor, das ich überraschend aufschwingen sah, war das Tor zu mir selbst. Es öffnete sich mit lautem Knarren, als ich mich fragte, wie ich mich fühle. Huch machte es in mir – fühlen? Gefühle?

Wo hab ich sie denn nur sorgsam verstaut?

Als ich allein da saß und in mir herum suchte, plumpste plötzlich durch einen kleinen Spalt dieses sich in Zeitlupe bewegenden Tores der Zorn heraus.

Zorn auf alle um mich herum und ganz besonders auf mich selbst!

Na aber hallo, wo kommst denn du her, fragte ich verblüfft.

Das Tor schwang weiter auf und gleich danach kam das Selbstmitleid. Das ist vielleicht eine Heulsuse, meine Güte! Und  Platz hat es eingenommen, du machst dir kein Bild!

Nur mit großer Anstrengung  schob sich durch die nun sperrangelweit aufstehende Riesenpforte eine ganze Mannschaft:

es waren der Mut, die Kraft, der Humor, auch die Selbstironie und um alle herum die Liebe.

 Die Liebe zu mir selbst!

Andere lieben? Kein Problem!

Mich lieben, mich mögen, mir Raum  geben?

Vergessen, nie praktiziert!

Nicke nicht so heftig, dir wird noch schwindelig!

Weißt du was? Seit ich dieses Tor geöffnet habe, gibt es mich wieder. Da staunst du, was? Ich bemerke mich selbst, eine tolle Erfahrung ist das!

Mir fällt auf, ob ich mich gut fühle mit dem, was ich tue und wenn nicht, kommt wieder diese geniale Sprachübung: N E I N.

Und die versammelte Gefühlsarmee in mir ist stark genug, dieses Nein sofort umzusetzen.

Psst! Hast du das auch gehört? Es knarrt hier ganz leise…. Lass mich lauschen….pssssssst.

Das kommt doch wohl nicht…..irre ich mich oder kommt das von…..dir?

Ja? Dann los! Zerre an dem Tor, mit aller Kraft!

Und stoß an mit mir:

auf dich und den Zugang zu deiner neu gefundenen Mitte!

© Petra Jähnke, 11/2011- veröffentlicht 2012 in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“

 

 

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SCHAUMSCHLÄGER

Man trifft sie überall,

diese Menschen, die nur reden –

Die wie unter Strom erscheinend

ihre Luftblasen produzieren,

unter denen man kurzfristig

zu ersticken glaubt –

so vereinnahmend und

überrollend kommen sie daher.

 

Sie tragen ihre Defizite,

getarnt hinter lautem Lärm um nichts,

durch ihre Tage

und sie treten dir zu nah,

ohne es zu registrieren.

Sie sind an den eigenen

Unzulänglichkeiten

gescheitert und kaschieren

ihre Angst vor der eigenen Schwäche

durch lautes Gehabe.

 

Sie schlagen Schaum mit fast jedem Wort,

machen mehr aus sich selbst

und allem, um sich herum,

um größer, stärker und

klüger zu erscheinen –

im Grunde nur

 für ihr eigenes

Selbstwertgefühl.

 

© Petra Jähnke, 11/2014

 

Alles schwingt! Petra

 

Wer jetzt auf einen passenden Musiktitel gespannt ist – den muss ich enttäuschen…

DAZU fiel mir nun wirklich keiner ein:-(

Solltest Du eine Idee haben, dann schreib sie mir! Danke!

Hoffnungen, Erwartungen und Wirklichkeiten

Wir Menschen sind schon eigenartige bis eigenwillige Geschöpfe.

Wir hoffen solange, bis es nicht mehr geht und wir als definitiv Letzte merken müssen, dass es sich nicht erfüllen wird. Egal, was wir da als Hoffnung wohlbehütet in unserem Herzen mit uns herumgeschleppt haben… Die Hoffnung stirbt zuletzt! Ein Spruch, den man dann kaum ertragen kann, nicht wahr?

Wir erwarten gewisse Reaktionen, bestimmte Verhaltensweisen und wir warten, wie es ja schon als Wortstamm in diesem Verb steckt. Wir warten oft auf Re-Aktionen, weil wir selbst SO reagieren würden. Wir erwarten, dass jemand ist wie wir, sich verhält wie wir, unsere Erwartungen einfach kennen und erfüllen muss! Und so warten wir manchmal bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag – ´und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute´!

Die Wirklichkeit um uns ist sehr oft eine andere, als sie in unserem Inneren abgebildet ist. Sie ist geprägt von unserer Sicht, unseren Gefühlen und sie ist UNSERE Wirklichkeit. Schon der Mensch neben einem sieht die Welt und damit seine Wirklichkeit anders. Er speist seine Hoffnungen und seine Erwartungen aus sich selbst – wie könnte dann unser Gegenüber unsere 1 zu 1 erfüllen?

`Man lernt nie aus´- ein Satz, der zu einem geflügelten Wort wurde, der zu 100% stimmt und den trotzdem kaum einer von uns mehr hören mag. Immer, wenn wieder Hoffnungen oder Erwartungen enttäuscht werden – immer, wenn wir erneut diese Lebens-Lektion schlucken mussten, gab es mindestens einen um uns herum, der diese ´tröstliche´ Weisheit zum Besten geben musste.

Und eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: auch in Zukunft wird sich jemand finden, der seinen Einsatz für diese vier Worte nicht verpasst…

So hüten wir also unser eigenes Hoffen und pflegen unser unermüdliches Warten, füttern damit unseren Erfahrungsschatz und modellieren unverdrossen an unserer ureigenen Wirklichkeit herum. Und ich muss ihn nun an das Ende dieser kleinen Betrachtung hängen, diesen anderen unwiderlegbaren Spruch, der fällig ist wie der fortgeschleuderte Bumerang: ´Jeder ist seines Glückes Schmied´. Allerdings schmieden an der endgültigen Form dieses Glücks unzählige zerplatzte Hoffnungen und nie erfüllte Erwartungen kräftig mit. Als dann: schmieden wir.

© Petra Jähnke 2014

Alles schwingt!

Petra

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Kosmos und Chaos

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: „Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!“, und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer…!

Ein toller Spruch, den sicherlich viele kennen. Oftmals gehört, schief gegrinst und genickt, nicht wahr?

Solange er sich auf das Chaos eines Bürotages bezieht oder auf das Chaos in der Küche, nachdem eine Horde Kinder Kuchen zu backen versucht hat, mag das ein irgendwie witzig-tröstlicher Satz sein.

Wenn er sich allerdings auf anderes bezieht, auf schwerwiegenderes – auf Krankheiten, Diagnosen und zukunftsorientierte Orakelsprüche wie: „es könnte zu diesem oder jenem kommen“, dann wird es heftig.

Es gibt immer zwei Wege, damit dann für sich persönlich umzugehen.

Weg 1 ist,

den Mut sinken zu lassen, in Panik zu verfallen, im Selbstmitleid zu baden und alle Waffen zu strecken – gar nicht gut! Sich die inaktive Rolle im eigenen Leben überzustülpen kann nur bedeuten, dass alle anderen Einflüsse ein leichtes Spiel haben.

Wenn da keine innere Stärke mehr ist, keine Zuversicht, kein Kampfeswille – dann läuft es darauf hinaus, zu verlieren.

Weg 2 ist,

weiterhin zu lächeln, im symbolischen Sinne gemeintes Lächeln!

Die inneren Kräfte zu mobilisieren, den Vogel Strauß in den Allerwertesten zu treten und sich dem Chaos stets aufs Neue zu stellen.

Chaos bedeutet in seinem Ursprung „klaffender Raum“, „gähnende Leere“, „Kluft“. Aus dem Chaos entstand die Welt, die Ordnung, der Kosmos. Die Umgangssprache meint damit die Unordnung, das Gewirr, das Durcheinander. Also ist es unsere Aufgabe, in das Chaos unseres Lebens/unseres Körpers wieder Ordnung zu bringen.

Ohja, das kann anstrengend sein! Das kann den ganzen Menschen fordern: an Verstand und Zuversicht werden große Rationen benötigt – aber es wird wenigstens keine vorzeitig geschwenkte weiße Fahne da sein, keine Aufgabe vor dem Feind, kein hoffnungsloses Sich-fügen.

Mein Großvater sagte in solchen Situationen: „Oh ihr Kleingläubigen“ und hat damit alles ausgedrückt, wofür ich hier nun viele Worte brauchte.

Der eigene innere Kosmos hat es verdient, dass für ihn gekämpft wird gegen das Chaos, das die Vorherrschaft übernehmen will.

Also dann: Alles schwingt!

Petra

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WORTE WIE PFEILE

Abgeschossen

warum auch immer –

Im Streit, im Affekt,

um sich zu verteidigen,

um den anderen klein zu machen,

zu verletzen.

 

Worte, Pfeilen gleich,

wie durch Butter

ungehindert

ihren Weg nehmend

und  tief ins Mark treffend,

ins Herz und die Seele zielend,

sich mit kleinen Widerhaken

unlösbar  verankernd.

 

Unsichtbare Waffen

von großer Schlagkraft

und mit nachhaltiger Wirkung.

 

Irgendwann

mit  lässiger Handbewegung

vom Tisch gewischt.

Den eigenen Seelenmüll entsorgt,

Frust abgeladen….

Andere Seelen verletzt,

Täterschaft  ohne Beweismöglichkeit.

 

© Petra Jähnke, 2012 veröffentlicht in „Jetzt erst recht – Gefühlsgeschichten“ im Lyrika Verlag

Alles schwingt – Petra

 

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Es begab sich aber…

Es begab sich aber zu der Zeit,

da alle sich im Recht und Reichtum wähnten,

dass aufrechte Männer und Frauen

nicht mehr Lohn und Brot mittels

ihres Hirns oder ihrer Hände

Arbeit erwerben konnten.

Denn das Recht hatte viele Gesichter

und der Reichtum keine Heimat mehr

unter allen Dächern.

Und die Besitzer der Dächer

erschauerten bei dem Gedanken,

dass unter dem ihren

jene Gestrandeten wohnen könnten,

die aus dem großen Geldtopf des Volkes

ihr Bleiben darunter zahlen würden.

Denn auch die sich im Recht Glaubenden

misstrauten dem Recht und dem Reichtum,

die doch  für alle gelten sollten.

© Petra Jähnke, 2014

 

 

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Die Süße eines Tages

Später Nachmittag, anstehen im Supermarkt an der Kasse. Die Schlange ist mäßig lang, die Stimmung ebenso mäßig und der vorderste Kunde fingert ungeschickt in seinem Portemonnaie nach passendem Kleingeld.

Ich schaue mich ein wenig gelangweilt um und mein Blick bleibt bei den vorletzten Kunden in dieser Reihe. Sie fallen auf, oder besser ins Auge? Beide nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt. Beide von kleiner Statur – er, sehr schmal, mit einem seltsam unter dem T-Shirt hervorragenden Bauch. Sie – nicht schmal, vielmehr ausgemergelt, das Gesicht voller Falten und Furchen, eingebrannt vom Leben, unruhige Augen.

Beide halten ihren Einkauf –  Er hat einen Beutel Kartoffeln und ein Brot im Arm, sie Margarine, 2 Sorten verschweißten Aufschnitt und… eine Tüte Hamburger Speck, diese lecker-fluffige Nascherei. ich denke sofort an meinen Papa, der es liebte, sich abends auf der Couch mit Hamburger Speck für den Tag zu belohnen und muss lächeln.

Dieses Lächeln vergeht mir blitzschnell, als ich die beiden beobachte, wie sie ihren kleinen Einkauf beschauen, leise miteinander flüstern, wie er mit einem sachten Kopfnicken auf die prachtvolle Tüte Süßigkeit hinweist und sie als Reaktion darauf noch ein wenig ausgemergelter aussieht und mit hängenden Schultern den Speck scheinbar zurücklegen will. Eine heiße Welle in mir macht sich auf den Weg zu meinem Kopf und … doch ehe ich überhaupt mein Gefühl deuten kann, das so kraftvoll auf sich aufmerksam macht, tritt er zu den beiden:

großgewachsen, tadelloser grauer Anzug, neben sich einen voll beladenen Einkaufswagen für eine Familie mit Kindern bestückt, wie man unschwer erkennen kann. Er legt der Frau, um ihren Weg zu stoppen, die Hand auf den mageren Unterarm und sagt zu den beiden:

„Dieser Euro-Schein in meiner Hand ist heute übrig. Es macht mich nicht traurig oder glücklich, ihn zu haben. Meine Familie hat jeden Tag genug zum Leben, zum Spielen, zum Naschen. Ich gebe Ihnen beiden diesen Schein, damit er das tun kann, wozu ich ihn nicht brauche: er soll Ihnen ein wenig davon geben –  von der Süße des Tages.“

Er lächelt, als er den Geldschein in die Hand der Frau mit dem Gesicht voller Falten und Furchen legt und dreht sich ab, murmelt etwas von ´vergessen´ und schiebt seinen Einkaufswagen wieder zurück zwischen die vollbeladenen Regale.

Das Paar, das nicht mehr jung ist, aber auch irgendwie noch nicht richtig alt, schaut sich ungläubig an. Sie reden leise miteinander und dann drehen sie sich um, um ebenfalls noch einmal zu den Regalen voller Überfluss zu gehen – sie gehen langsam, schauen sich immer wieder um, schütteln die Köpfe und … lächeln zaghaft.

Als sie verschwunden sind, schaue ich in die Richtung, die der Mann im grauen Anzug eingeschlagen hatte und sehe ihn, wie er vorsichtig um die Ecke des Kaffeeregals Ausschau hält nach dem Paar.

Er bemerkt, dass ich ihn sehe und er zwinkert mir strahlend zu…

© Petra Jähnke

 

Alles schwingt!

Petra

 

 

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ABGEHOBEN

Bisher eigentlich völlig normal –

doch plötzlich ist´s eine Qual,

mit dem Menschen sich zu unterhalten:

Umringt von den falschen Gestalten,

den kritiklosen Claqueuren,

die jede Selbsteinschätzung zerstören,

ist er endgültig abgehoben –

sein Ego entsetzlich verschroben.

 

So ganz leicht von oben herab,

hält er seine Audienzen nun ab.

Sonnt sich im Scheinwerferlicht,

reflektieren geht dort leider nicht!

Hält sich für den Nabel der Welt,

die basiert auf Blendung und Geld.

Kreist um sich selbst voller Wonne,

ist seinen Jüngern die strahlende Sonne.

 

Herr, bewahre mich vor dieser Phase!

Lass mich nie gleich ´ner Seifenblase

am eigenen Ruhme zerplatzen!

Mach mich taub für dies innere Schwatzen!

Und geräte ich je in den Sog,

dass ich mich irgendwann selbst betrog –

lass mich nicht in dem Wahn überwintern:

Trete mir zeitig in den Schrumpelhintern!

 

© Petra Jähnke

Foto mfG von Bärbel Hoffmann

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Petra

 

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ICH GEHÖR NUR MIR

Kamst irgendwann in mein Leben –

meintest, mir Liebe zu geben.

Erdrücktest mich mit dieser Last.

Hab mir oft ans Herz gefasst,

weil kaum noch Luft zum Atmen war.

Inzwischen ist mir eines klar:

Bin kein Besitz von dir –

denn ich gehör nur mir.

 

Sprichst es aus, erzählst es allen.

Keinem mag es je einfallen,

zu reden und zu lachen

mit mir – dem ach so schwachen

Weibe, das doch dir gehört!

Glaubst, wenn du es oft beschwörst,

lieg ich zu Füßen dir –

Doch ich gehör nur mir.

 

Gezeichnet nur durch dich,

fühlt meine Seele sich.

Gebrandmarkt meine Stirn,

gedankenlos mein Hirn.

Geführt von fremder Hand,

der ich lang nicht widerstand,

ging ich den Weg mit dir –

doch ich gehör nur mir.

 

Besitzanspruch vertan.

Zu groß dein Führungswahn.

Kein Springen mehr bei Fuß,

kein kalt erzwungener Kuss.

Kein Schnippen deiner Hand

raubt mir mehr den Verstand.

Heut geh ich fort von dir –

denn ich gehör nur mir.

 

© Petra Jähnke, 21.05.14

 

 

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