Schlagwort-Archive: Wahrheit

GROSSE WORTE

Große Worte, wie eine Fahne vor sich getragen,

bleiben unbestätigt beim Hinterfragen.

Luftgitarrenspiel mittels blumigen Schwalls

aus Wortgebilden bar jeden Widerhalls.

Welten gebaut mit beschwörendem Blick,

brach gutgläubig Glaubenden schon das Genick.

Manch großes Wort

ist der Wahrheit Mord.

©Petra Jähnke, 3/2015

Die Süße eines Tages

Später Nachmittag, anstehen im Supermarkt an der Kasse. Die Schlange ist mäßig lang, die Stimmung ebenso mäßig und der vorderste Kunde fingert ungeschickt in seinem Portemonnaie nach passendem Kleingeld.

Ich schaue mich ein wenig gelangweilt um und mein Blick bleibt bei den vorletzten Kunden in dieser Reihe. Sie fallen auf, oder besser ins Auge? Beide nicht mehr jung, aber auch noch nicht wirklich alt. Beide von kleiner Statur – er, sehr schmal, mit einem seltsam unter dem T-Shirt hervorragenden Bauch. Sie – nicht schmal, vielmehr ausgemergelt, das Gesicht voller Falten und Furchen, eingebrannt vom Leben, unruhige Augen.

Beide halten ihren Einkauf –  Er hat einen Beutel Kartoffeln und ein Brot im Arm, sie Margarine, 2 Sorten verschweißten Aufschnitt und… eine Tüte Hamburger Speck, diese lecker-fluffige Nascherei. ich denke sofort an meinen Papa, der es liebte, sich abends auf der Couch mit Hamburger Speck für den Tag zu belohnen und muss lächeln.

Dieses Lächeln vergeht mir blitzschnell, als ich die beiden beobachte, wie sie ihren kleinen Einkauf beschauen, leise miteinander flüstern, wie er mit einem sachten Kopfnicken auf die prachtvolle Tüte Süßigkeit hinweist und sie als Reaktion darauf noch ein wenig ausgemergelter aussieht und mit hängenden Schultern den Speck scheinbar zurücklegen will. Eine heiße Welle in mir macht sich auf den Weg zu meinem Kopf und … doch ehe ich überhaupt mein Gefühl deuten kann, das so kraftvoll auf sich aufmerksam macht, tritt er zu den beiden:

großgewachsen, tadelloser grauer Anzug, neben sich einen voll beladenen Einkaufswagen für eine Familie mit Kindern bestückt, wie man unschwer erkennen kann. Er legt der Frau, um ihren Weg zu stoppen, die Hand auf den mageren Unterarm und sagt zu den beiden:

„Dieser Euro-Schein in meiner Hand ist heute übrig. Es macht mich nicht traurig oder glücklich, ihn zu haben. Meine Familie hat jeden Tag genug zum Leben, zum Spielen, zum Naschen. Ich gebe Ihnen beiden diesen Schein, damit er das tun kann, wozu ich ihn nicht brauche: er soll Ihnen ein wenig davon geben –  von der Süße des Tages.“

Er lächelt, als er den Geldschein in die Hand der Frau mit dem Gesicht voller Falten und Furchen legt und dreht sich ab, murmelt etwas von ´vergessen´ und schiebt seinen Einkaufswagen wieder zurück zwischen die vollbeladenen Regale.

Das Paar, das nicht mehr jung ist, aber auch irgendwie noch nicht richtig alt, schaut sich ungläubig an. Sie reden leise miteinander und dann drehen sie sich um, um ebenfalls noch einmal zu den Regalen voller Überfluss zu gehen – sie gehen langsam, schauen sich immer wieder um, schütteln die Köpfe und … lächeln zaghaft.

Als sie verschwunden sind, schaue ich in die Richtung, die der Mann im grauen Anzug eingeschlagen hatte und sehe ihn, wie er vorsichtig um die Ecke des Kaffeeregals Ausschau hält nach dem Paar.

Er bemerkt, dass ich ihn sehe und er zwinkert mir strahlend zu…

© Petra Jähnke

 

Alles schwingt!

Petra

 

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KENNST DU DER SEELE TIEFSTE GEMÄCHER

Kennst du der Seele tiefste Gemächer?

In ihnen wird Verstand und Realität schwächer…

Dort tief im Verborg´nen weiß dein Inneres gut,

was deinem Körper, deinem Herz wirklich gut tut.

Dort wohnen die bildhaft  manifestierten Träume.

Dort schaffen sich Wünsche ihre eigenen Räume.

Dort wabert wie feinstes Nebelgeflecht

das Wissen um dein dir gegebenes Recht

auf erfüllende Stunden, sich öffnendes Sein –

und Gewissheit,  du bist nicht mit alldem allein.

 

Auf dem Boden der Seele ruht wohlig geborgen

das tief-menschliche Urvertrauen in Morgen.

Der Zugang ist dort zu dem Wissen der Zeit –

und die vor dir waren geben sich´res Geleit.

Ein Nachhall klingt dort von dem Wissen um Liebe.

Die Wurzel der Sehnsucht bildet kräftige Triebe.

Und mit samtweichem, dumpf-dröhnendem Ton

ruft das Herz nach des Lebens ersehntem Lohn –

Lauschst du hinein in deinen inneren Kern,

erspürst  du alles in dir – nichts ist von dir fern.

 

© Petra Jähnke

veröffentlicht 2013 in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“ im Lyrika Verlag

Alles schwingt! Petra

 

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November-Gedanken I

Der Trauermonat… in ihm liegen Feier- und Gedenktage wie Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag  und der Totensonntag, der einen Sonntag vor dem ersten Advent liegt und das Kirchenjahr beschließt. Mit dem Advent beginnt dann das neue Kirchenjahr, das Warten auf Weihnachten und die Geburt Jesu.

Gedenken an Gefallene, Verstorbene – für mich stehen diese Gedenktage für den Begriff des Abschiednehmens.

Abschied muss man als Mensch in vielfältiger Form nehmen und nicht immer betrifft es die Todesfälle in der Familie und im Freundeskreis. Der Tod ist die endgültigste Form des Abschieds, denn es bleibt einem keine Chance mehr, einem wie auch anders gelagerten „Abschied“ die Spitze zu nehmen, einen letzten Rettungsversuch zu starten.

Damit meine ich die Abschiede, die es im Leben immer wieder zu nehmen gilt: Gescheiterte Beziehungen und Ehen; Freundschaften, die sich auseinander dividieren. Ist es wirklich nicht möglich, dass sich zwei Menschen trennen, ohne einander weh zu tun? Und wenn es denn geschehen ist, dieses Verletzen-des-anderen – gibt es wirklich keine Worte wie „es tut mir leid“, „es war nicht so gemeint“ – keine Gesten, die der Trennung die Endgültigkeit und Schärfe nehmen? Die Achtung vor dem anderen, war sie nie Teil und Basis dieser wie immer auch gelagerten Beziehung?

Wir reden so unendlich oft und viel von Wertschätzung und Achtsamkeit – nur: leben wir sie auch selbst in unserem Alltag? Gehört das Verzeihen-können nicht automatisch in diese Reihe der menschlichen Fähigkeiten hinein? Wir werden mit all diesen inneren Gaben geboren, da bin ich mir sicher – mit Liebe, Verständnis, Nachsicht, Fürsorglichkeit, Nächstenliebe. Doch während wir erwachsen werden, müssen wir anderes lernen, um im Alltag dieser Ellenbogengesellschaft zu bestehen: Egoismus und Rücksichtslosigkeit. Müssen wir? Gegen den Strom zu schwimmen mag anstrengend sein, aber es macht stark. Stark, um mit Menschlichkeit alle Klippen zu umschiffen.

Es gibt noch andere Abschiede in unserem Leben, die uns ganz allein betreffen, die „unsere persönlichen Abschiede“ sind. Wenn uns Krankheiten zwingen, unser bisheriges Leben zu überdenken und zu ändern, müssen wir lernen, einen Teil von uns in Liebe loszulassen.  Wenn die fehlende Gesundheit zu einem Teil von uns wird, uns einschränkt und unsere Wege umleitet, obwohl wir bisher ganz andere gingen mit viel größerer Energie – dann sind dies Abschiede, die wir in ihrer Endgültigkeit anzunehmen lernen müssen, um trotzdem ein zufriedenes Leben führen zu können.

Uns wurde nie ein Rosengarten versprochen und selbst wenn es so wäre, hätten die prachtvollsten, duftendsten Rosen zugleich die verletzendsten Dornen, denen wir tunlichst ausweichen müssten.

Der November bringt uns mit seinen grauen, kalten Tagen und der frühen Dunkelheit am Abend eine gewisse Melancholie, manchmal auch ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit oder Verloren-sein. Wer kennt diese Momente nicht…

Ganz bei sich zu sein, Vergangenes zu bewältigen, Traurigem nachzuspüren, sich von Illusionen zu verabschieden, die letzten Träume zu hegen und zu pflegen – dafür ist er die rechte Zeit, dieser November. Er geht vorüber, wie auch unsere Neuorientierung im Innersten.

Denn: Alles schwingt!

Petra, im November 2014

 

 

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Hoffnungen, Erwartungen und Wirklichkeiten

Wir Menschen sind schon eigenartige bis eigenwillige Geschöpfe.

Wir hoffen solange, bis es nicht mehr geht und wir als definitiv Letzte merken müssen, dass es sich nicht erfüllen wird. Egal, was wir da als Hoffnung wohlbehütet in unserem Herzen mit uns herumgeschleppt haben… Die Hoffnung stirbt zuletzt! Ein Spruch, den man dann kaum ertragen kann, nicht wahr?

Wir erwarten gewisse Reaktionen, bestimmte Verhaltensweisen und wir warten, wie es ja schon als Wortstamm in diesem Verb steckt. Wir warten oft auf Re-Aktionen, weil wir selbst SO reagieren würden. Wir erwarten, dass jemand ist wie wir, sich verhält wie wir, unsere Erwartungen einfach kennen und erfüllen muss! Und so warten wir manchmal bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag – ´und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute´!

Die Wirklichkeit um uns ist sehr oft eine andere, als sie in unserem Inneren abgebildet ist. Sie ist geprägt von unserer Sicht, unseren Gefühlen und sie ist UNSERE Wirklichkeit. Schon der Mensch neben einem sieht die Welt und damit seine Wirklichkeit anders. Er speist seine Hoffnungen und seine Erwartungen aus sich selbst – wie könnte dann unser Gegenüber unsere 1 zu 1 erfüllen?

`Man lernt nie aus´- ein Satz, der zu einem geflügelten Wort wurde, der zu 100% stimmt und den trotzdem kaum einer von uns mehr hören mag. Immer, wenn wieder Hoffnungen oder Erwartungen enttäuscht werden – immer, wenn wir erneut diese Lebens-Lektion schlucken mussten, gab es mindestens einen um uns herum, der diese ´tröstliche´ Weisheit zum Besten geben musste.

Und eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: auch in Zukunft wird sich jemand finden, der seinen Einsatz für diese vier Worte nicht verpasst…

So hüten wir also unser eigenes Hoffen und pflegen unser unermüdliches Warten, füttern damit unseren Erfahrungsschatz und modellieren unverdrossen an unserer ureigenen Wirklichkeit herum. Und ich muss ihn nun an das Ende dieser kleinen Betrachtung hängen, diesen anderen unwiderlegbaren Spruch, der fällig ist wie der fortgeschleuderte Bumerang: ´Jeder ist seines Glückes Schmied´. Allerdings schmieden an der endgültigen Form dieses Glücks unzählige zerplatzte Hoffnungen und nie erfüllte Erwartungen kräftig mit. Als dann: schmieden wir.

© Petra Jähnke 2014

Alles schwingt!

Petra

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DEN MUND ZU VOLL GENOMMEN

Den Mund zu voll genommen,

mal wieder zu nichts gekommen.

Nur ein erneuter Selbstbetrug,

die Sache war doch nicht wichtig genug.

 

Versprechungen in höchsten Tönen

mit Worten, so wunderbar schönen.

Verlass dich auf mich, vertraue mir?

Bist nur ein im Käfig gefangenes Tier…

 

Unzählige Dinge begonnen zu tun,

Kilometer gegangen in fremden Schuh ‘n.

Vieles gewollt, das meiste blieb liegen.

Ein stetes die eigene Seele verbiegen…

 

In bester Absicht gewollt, nicht getan –

Wieder nicht möglich,

was man eigentlich kann.

Den Konsequenzen entkommen –

Nur den Mund zu voll genommen.

 

© Petra Jähnke 2012; veröffentlicht 2013 in „Mitten ins Herz – Voll auf den Punkt“ im Lyrika Verlag

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GREIF NICHT NACH MIR

Greif nicht nach mir, kassier´ mich nicht ein!

Nur weil du mir nah bist, bin ich nicht dein.

Weil ich Freundschaft empfinde, bin ich sicherlich nicht

auf Bevormundung und Rollenvorgabe erpicht.

 

Du kennst mich, so sagst du – ich zweifle daran.

Denn wär´s  so, wüsstest du: jedes Wort ist vertan,

dass mich abbringen will von meinem eigenen Weg.

Heb sie auf, diese Stolpersteine, die du für mich gelegt!

Ich hab lange gesucht nach dem, was mich erfüllt.

Habe Lehren gezogen,  Vergangenes zerknüllt.

Hab gefunden, was wichtig für mein Leben ist –

Habe Flagge gezeigt und sie weithin sichtbar gehisst.

 

Du kennst mich, so sagst du – ich zweifle daran.

Denn wär´s  so, wüsstest du: jedes Wort ist vertan,

dass mich bremsen will ´in meinem eignen  Interesse´.

Argumente, denen ich Null Bedeutung zumesse.

Was ich tu ist mein Motor, ist mein Lebenselixier.

Welche Basis hatte der Bund zwischen dir und mir?

Wenn das Herz sich weitet, der Horizont sich erhellt,

ist es dann noch ein Freund, der den Weg mir verstellt?

 

Verharrst du im eingefahrenen Denken,

wird die Zukunft uns leider nichts Gemeinsames schenken.

Lass mir Luft zum Atmen im eigenen Revier…

Kassier´ mich nicht ein und greif nicht nach mir!

 

©Petra Jähnke, 2014

 

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Von dem, was war und dem, was ist

Unser Leben ist einem Strauß strahlend-schöner Blumen gleich.

Wenn wir unseren Weg beginnen, tragen wir die Samen der schönsten Blumen mit uns.

Im Laufe unserer Jahre erblühen sie, eine nach der anderen – eine schöner als die andere.

Jede entfaltet sich in ihrem eigenen Tempo und sie blüht solange, wie es ihr seit ihrer Samenkorn-Zeit vorgegeben ist.

Die Blütenköpfe bilden sich aus – inwendig, geschützt durch die Blütenblätter, entwickelt sich das, was diese eine Blume ausmacht und was ihr Dasein weitergeben wird in Form eines neuen Samens.

Wenn die Blüte als Ganzes sich entfaltet, sich öffnet und dem Licht entgegen strebt, so zeigt sie sich dem Betrachter in ihrer vollen Schönheit und bezaubert ihn allein durch ihr Sein.

Nicht alle Blüten unseres Straußes entfalten sich zur selben Zeit.

Manche sind schon am Verblühen, während sich die nächsten erst zu ihrer Pracht entwickeln. Die verblühten Blumen unseres Straußes verabschieden sich von uns und geben denen, die nun aufblühen wollen, neuen Raum.

So kommt es, dass in unserem Lebens-Strauß ein immerwährendes Vergehen und Entstehen ist und sich seine Schönheit verändert, obwohl er immer der gleiche bleibt.

Die einen Blüten stehen für unsere Kindheit, die anderen symbolisieren unser Alter.

Einige stehen für unsere Fähigkeiten, andere für unsere Schwächen.

Viele von ihnen tragen unsere Kraft und unsere Lebensfreude, manche sind Zeichen unserer Liebesfähigkeit und unserer Abschiede.

Die prachtvollsten unter ihnen verkörpern unsere Gesundheit, doch nicht alle von diesen sind auch die dauerhaftesten.

Verblüht eine, die Teil davon ist, so wird sich keine neue finden, die sie ersetzen könnte.

Doch jede, die vergeht, schafft Raum und Zeit für die Blüten, die aus dem Mangel erwachsen. Ihre Namen sind Geduld und Nachsicht. Sie sind von ganz anderer, doch nicht minder großer Schönheit.

Wenn die Zeit kommt, da alle Blumen erblüht und verblüht sind,

wenn unser Lebens-Strauß vergeht,

so wird von uns das bleiben,

was wir als Samen unserer Umwelt hinterlassen haben.

©Petra Jähnke, 9/2014

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WEDER – NOCH

Licht und Schatten dieses Lebens

liegen dicht an dicht, mein  Herz.

Aufbegehren wär´ vergebens,

macht dir nur erneut viel Schmerz.

 

Weder heiß noch kalt allein

bilden deinen Lebensraum.

Wird stets Sturm und Flaute sein

und sachter Wind am Wegessaum.

 

Gibt nicht nur ein Schwarz und Weiß.

Viele Töne sind dazwischen.

Auf dem Weg von Kind zum Greis,

wirst du deine Farben mischen.

 

© Petra Jähnke, 9/2014

 

 Alles schwingt!

Petra

 

 

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Wenn das Schicksal anklopft

An dem Tag, als seine Welt zu bröckeln begann, war die Sonne von Wolken ungetrübt am tiefblauen Himmel unterwegs und über allem lag ein Hauch von Frieden.

Er hatte die Post herein geholt und nahm sie mit auf seine traumschöne Terrasse mit Blick auf das Meer. Er setzte sich in seinen Relax-Liegestuhl vom feinsten Outdoor-Möbelhersteller, griff zu seinem sündhaft teuren Whisky und schaute die Umschläge grob durch, während er sich einen Drink in sein Glas goss.

Abgelenkt durch die Flugkünste eines Schwalbenpaares schaute er einige Zeit empor und lächelte vor sich hin. ´Wo Schwalben nisten wohnt das Glück´ hatte seine Großmutter immer gesagt.

Die Werbung landete gleich auf einem leeren Stuhl neben ihm, übrig blieben drei Umschläge. Der erste kam von seiner Hausbank und enthielt die neuesten Kontoauszüge, die er nur flüchtig überflog. Der zweite hatte Zeit, es war eine berufliche Angelegenheit und er war nicht im Büro – also beiseite auch mit dieser Post.

Den dritten schaute er erstaunt an, denn er konnte den Absender nicht gleich erkennen. Dann sah er die kleine Zeile im Adressfenster oberhalb seiner Anschrift und hielt inne. Dieser Umschlag kam aus dem Universitätsklinikum, in dem er vor zehn Tagen zum großen Check-up war.

Er ging schon seit vielen Jahren einmal im Jahr dorthin – ´währet den Anfängen´, auch so ein Spruch seiner Großmutter, den er verinnerlicht hatte. Nie hatte er je Post danach erhalten. Er legte den Brief auf den Terrassentisch und trank sehr langsam einen Schluck von seinem Whisky, während er sich bemühte, seinen sich steigernden Herzschlag durch tiefe Atemzüge zu beruhigen.

Er stellte das Glas auf den Tisch und nahm ihn in die Hand, diesen ersten seiner Art. „So also fühlt es sich an“, dachte er, „wenn das Schicksal anklopfen kommt…“. Er öffnete den Umschlag ebenso langsam, wie er ihn schon gewendet und gedreht hatte. Dann nahm er das Schreiben der Klinik heraus, es waren mehrere Seiten, und las den Inhalt, ohne ihn recht fassen zu können. Drehten sich diese Zeilen um ihn? Er schüttelte ungläubig leise mit dem Kopf, nahm einen neuerlichen Schluck aus seinem Glas und las nochmals von vorn.

Die Sonne, die geradezu unverschämt strahlte und den Himmel erhellte, erlosch für seine Augen. Ein Vorhang schob sich in seinen Blick, der alles andere ausblendete, was ihn eben noch zum Lächeln gebracht hatte. Er starrte auf das Meer, das in ein paar hundert Metern Entfernung unverändert sanft auf den Ufersaum traf. Der erste Umschlag dieser Art lag auf seinem linken Schenkel, die Hand als wolle sie ihn unsichtbar machen darüber. In seinen Ohren rauschte es leise und es fühlte sich für ihn an, als könne er seinen eigenen Gedanken lauschen.

In diesem Augenblick spürte er, wie sein bisheriges Leben zu zerbröckeln begann in tausend kleinste Teile. Nichts wird mehr sein wie vor diesem Umschlag – alle Rituale seines Tages, die er so liebte – dass er sie liebte, wurde ihm siedend heiß in diesem einen Augenblick erst bewusst! – waren Vergangenheit geworden beim Lesen dieses Schreibens. Schwarze Zeichen auf weißem Grund hatten Kraft genug, um wie mit einem Vorschlaghammer die Vorzeichen seines Lebens umzudrehen.

Eine Kälte, die aus ihm heraus kroch, verursachte ein feines Erschauern an seinem ganzen Körper, als er aufstand, um ans Telefon zu gehen…

© Petra Jähnke, 2014

 Alles schwingt…

Petra

 

Wenn du mich in meiner Gedankenwelt besuchen kommst und dir etwas durch den Kopf geht, was du ergänzen, anzweifeln oder weitergedacht haben möchtest, kommentiere bitte!
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